Die Morgenröte des neueren Okkultismus
So ist heute versucht worden, klarzulegen, wie gewisse Dinge, die uns im Leben etwas angehen, wie gewisse Erlebnisse uns zeigen können, wie wir in die geistigen Zusammenhänge der Welt hineingehören. Wenn wir unser Gemütsgedächtnis ausbilden, wie das heute geschildert wurde, dann leben wir uns ein in das, was als spirituelles Leben die Welt durchströmt und durchpulst. Daher ist noch nicht der ein wahrer Theosoph, der theoretisch die Lehren kennt, sondern erst der, der sein Leben und das der anderen Menschen zu deuten weiß in dem Sinne, wie heute angegeben worden ist. Dann wird Theosophie eine Grundkraft, welche unser Seelenleben umgestaltet. Und das muss ja auch das Ziel der Arbeit in unseren Zweigen sein: dass unsere inneren Seelenerlebnisse andere werden, dass wir das Unsterbliche empfinden lernen durch allmähliche Entwicklung unseres Gemütsgedächtnisses. Der Theosoph muss den Glauben haben: Wenn du nur willst, wenn du nur deine starken inneren Kräfte anwendest, dann kannst du deinen Charakter umgestalten. Man muss fühlen, empfinden lernen, dass in uns selber und in allem anderen ein Unsterbliches waltet. Der Theosoph wird dadurch ein Theosoph, dass er sein ganzes Leben lang aufnahmefähig bleibt, auch mit grauen Haaren. Und dieses Bewusstsein, dass man immer und immer fortschreiten kann, das wird unser ganzes jetziges Geistesleben umgestalten.
Cite:
GA 130/1912-01-29/p013 · edition original