Intimitäten des Karma

GA 130/1912-02-09/p003 ·1912-02-09 · original (original)
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Über einen Punkt, der gestern besprochen worden ist hier in unseren Abendbetrachtungen, möchte ich nicht gerne missverstanden sein, und es schien mir doch aus einem Gespräche, das heute mit mir geführt worden ist, dass leicht ein Missverständnis sich einschleichen könnte. Es ist ja natürlich, dass diese Dinge, die mit den Intimitäten unseres Karma zusammenhängen, schwer in Worte zu formulieren sind und dass sehr leicht das eine oder das andere nicht ganz klar das erste Mal verstanden werden kann. Es ist der Punkt, der gestern besprochen worden ist in Bezug darauf, dass wir in unseren Schmerzen und Leiden etwas zu sehen haben, was der Gescheitere in uns aufsucht, um gewisse Unvollkommenheiten zu überwinden, und dass wir gerade dadurch, dass wir gelassen die Schmerzen ertragen, unsere Bahn weiterschreiten. Es ist nicht dieses, was missverstanden werden könnte, sondern das andere, dass wir dagegen Lust und Freude hinzunehmen haben als etwas, das uns zukommt ohne unser Verdienst, ohne dass wir es auf unser individuelles Karma zu beziehen hätten, dass wir es vielmehr zu betrachten hätten als eine Art von Gnade, durch die wir eingesponnen werden in den allwaltenden Geist. Dies, meine lieben Freunde, bitte ich Sie nicht so aufzufassen, als ob der Hauptton darin läge, dass uns Freude und Lust zukommt wie ein Geschenk der göttlichen, geistig waltenden Mächte, sondern ich bitte, den Hauptton darauf zu legen, dass gesagt worden ist: Wir sollen, wenn wir unser Karma verstehen wollen, darauf Rücksicht nehmen, dass wir diese Dinge durch eine Gnade zugeteilt erhalten haben. So also, dass Freude und Lust ausgegossen sind über uns wie eine Gnade. Derjenige Mensch, der in seinem Karma seine Freude und Lust so verstehen will, als wollten ihn die Götter auszeichnen und ihn erhaben über alle anderen hinstellen, der wird das Gegenteil erreichen. Wir dürfen keineswegs das so auffassen, als ob sie uns zugeteilt würden zu dem Zwecke, uns als bevorzugt vor anderen zu halten. Wir haben sie aufzufassen, als ob sie uns zugeteilt wären als ein Anlass, uns in der Gnade jener göttlich-geistigen Wesenheiten zu fühlen. Also erst dieses Sich-Fühlen in der Gnade ist es, was einen Fortschritt bedeutet, das andere würde uns ganz wesentlich zurückwerfen in unserer Entwicklung. Du Mensch, du sollst nicht glauben, dass du zu reiner Lust und Freude kommen kannst durch besondere Vorzüge deines Karma, sondern du sollst glauben, dass du nur dazu kommen kannst dadurch, dass du keine Vorzüge hast. Wir sollen besonders dann Werke der Barmherzigkeit tun, was wir dann besser tun können, als wenn wir Leid und Schmerz erleiden. Der Hinweis, dass wir uns der Gnade würdig machen sollen, das ist es, was uns vorwärtsbringt. Es würde also nicht eine Rechtfertigung sein der Anschauung mancher Leute, dass derjenige, der von Freude erfüllt und reich ist, sich das verdient habe; das soll gerade vermieden werden. Das bitte ich als einen Hinweis zu nehmen, durch den ein Missverständnis vermieden werden könnte.

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Cite: GA 130/1912-02-09/p003 · edition original