Dritter Vortrag
Was uns zunächst beschäftigen muß, ist das Verhältnis des allgemeinen religiösen Bewußtseins zu jenem Wissen, zu jener Erkenntnis, welche sich der Mensch verschaffen kann von den höheren Welten im allgemeinen und — für unser Thema kommt ja das besonders in Betracht — zu jener Erkenntnis, von der Beziehung des Christus Jesus zu diesen höheren Welten, die zu erlangen ist durch höhere hellseherische Kräfte. Denn Ihnen allen ist ja klar, daß weitaus für die meisten Menschen die Entwickelung des Christentums bisher so war, daß diese Menschen nicht durch eigene hellsichtige Erkenntnis zu den Geheimnissen des christlichen Geschehens kommen konnten. Oder mit anderen Worten: Es muß zugegeben werden, daß das Christentum in unzählige Menschenherzen eingezogen ist, bis zu einem gewissen Grade in seiner Wesenheit auch von unzähligen Seelen erkannt worden ist, ohne daß diese Herzen und Seelen imstande gewesen wären hinaufzublicken zu den höheren Welten, um aus der Erkenntnis der höheren Welten eine hellseherische Anschauung von dem zu bekommen, was eigentlich mit dem Mysterium von Golgatha und alledem, was damit zusammenhängt, für die Menschheitsentwickelung vorgegangen ist. Wir werden deshalb von der Hinneigung der Religionen und der Erkenntnishinneigung desjenigen Menschen, der noch nichts weiß von übersinnlicher Forschung, zum Christus, genau unterscheiden müssen das, was nur gewußt werden kann entweder durch das hellsichtige Bewußtsein selber oder dadurch, daß man aus irgendwelchem Grunde die Mitteilung der hellseherischen Forscher über die Geheimnisse des Christentums empfängt.
Cite:
GA 131/1911-10-07/p003 · edition original