{"corpus":"steiner","locus":"GA 131/1911-10-07/p017","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Ein solcher dritter Weg war in der 'Tat für alle christliche Entwickelung immer da, und er mußte ja da sein. Denn die objektive Entwickelung der Menschheit richtete sich ja nicht nach dem, was die Menschen für Meinungen gehabt haben, sondern eben nach den objektiven Tatsachen. Über den Christus Jesus hat man viele Meinungen gehabt im Laufe der Jahrhunderte, sonst hätten die Konzilien, die Kirchenversammlungen und die Theologen nicht so viel miteinander zu streiten gehabt, und vielleicht hat keine Zeit in bezug auf die vielen Menschen zugleich so viel an Anschauungen gehabt von dem Christus, als gerade die unsrige, Aber die Tatsachen richten sich nicht nach den Anschauungen der Menschen, sondern nach dem, was wirklich an Kräften in der Menschheitsentwickelung vorhanden ist. Diese Tatsachen könnten für eine viel größere Anzahl von Menschen erkennbar sein auch durch die bloße Betrachtung dessen, was zum Beispiel in den Evangelien überliefert ist, wenn die Menschen die Geduld und Ausdauer hätten, die Dinge wirklich unbefangen zu betrachten, wenn die Menschen nicht vorschnell und parteiisch wären in der objektiven Betrachtung der Tatsachen. So aber waren die meisten Menschen darauf aus, sich ein Christus-Bild nicht nach den Tatsachen zu schaffen, sondern wie sie es gerne mochten, wie sie es als ihr Ideal hinstellten. Und in einer gewissen Beziehung, muß man sagen, tun das auch die Theosophen aller Schattierungen heute. Wenn es zum Beispiel innerhalb der theosophischen Literatur populär geworden ist, von höher entwickelten menschlichen Individualitäten zu sprechen, die einen gewissen Vorsprung gewonnen haben in der menschlichen Entwickelung, so ist das eine Wahrheit, die niemand bestreiten kann, der konkret denkt. Der Begriff des Meisters, der höheren Individualität, der Begriff selbst des Adepten muß von einem konkreten Denken zugegeben werden. Nur ein Denken, das nicht an die Entwickelung glaubt, würde diese Begriffe nicht zugeben. Wenn wir nun den Begriff des Meisters oder des Adepten ins Auge fassen, so müssen wir sagen: diese Individualität ist eine solche, die durch viele Inkarnationen hindurchgegangen ist und durch Übungen, durch ein gottseliges Leben etwas anderes erlangt hat als die andern Menschen, so daß sie der Menschheit vorausgeeilt ist und Kräfte sich angeeignet hat, welche die übrige Menschheit sich erst in der Zukunft aneignen wird. Es ist nun selbstverständlich und soll so sein, daß der, welcher aus der theosophischen Erkenntnis eine solche Anschauung von derartigen Individualitäten erlangt, ein Gefühl höchster Ehrfurcht vor der Individualität der Meister, der Adepten und so weiter erlangt. Und steigen wir von einem solchen Begriff hinauf bis zu einem solch hehren Leben, als das uns das Buddha-Leben erscheint, so daß wir im Sinne theosophischer Erkenntnis zugeben: Buddha soll angesehen werden als der höchsten Adepten einer, — dann werden wir für unsern Verstand wie für unser Gemüt und unsere Empfindungen gegenüber einer solchen Individualität einen Seelengehalt und ein Verhältnis zu ihr gewinnen können.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Dritter Vortrag","site_heading":null,"date":"1911-10-07","location":null,"word_count":461,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/131/1911-10-07/p017","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/131/1911-10-07/p017"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/131/1911-10-07/p017","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}