Dritter Vortrag
Nicht darum handelt es sich, daß dadurch das allergeringste den anderen Adepten entzogen würde. Innerhalb der Weltanschauung, der wir angehören nach den okkulten Ergebnissen der Gegenwart, wissen wir es ebensogut als andere, daß als Zeitgenosse des Christus Jesus eine andere bedeutende Individualität dastand, von der wir sagen: sie war ein wirklicher Adept. Und es wird uns sogar schwierig, wenn wir nicht auf die genaueren Tatsachen eingehen, dieses Menschenwesen innerlich von dem Christus Jesus zu unterscheiden; denn es nimmt sich dieser Zeitgenosse wirklich ganz ähnlich aus. Wenn wir da zum Beispiel hören, daß dieser Zeitgenosse des Christus Jesus angekündigt wird durch eine himmlische Erscheinung vor seiner Geburt, so erinnert uns das an die Ankündigung des Jesus in den Evangelien. Wenn wir hören, daß dieser Zeitgenosse nicht bloß genannt werden dürfte als aus menschlichem Samen stammend, sondern als ein Sohn der Götter, so erinnert es uns wieder an den Anfang des Matthäusund des Lukas-Evangeliums. Wenn wir dann hören, daß die Geburt dieser Individualität die Mutter überrascht, so daß sie überwältigt war, so erinnert uns das an die Geburt des Jesus von Nazareth und an die Ereignisse in Bethlehem, wie sie in den Evangelien erzählt werden. Wenn wir dann hören, daß diese Individualität heranwächst und in ihrer Umgebung durch weise Antworten auf die Fragen der Priester alle überrascht, so erinnert dies an die Szene des zwölfjährigen Jesus im Tempel. Und wenn uns dann gar erzählt wird: diese Individualität kam nach Rom, begegnete dort dem Leichenzuge eines jungen Mädchens, der Leichenzug wurde zum Stehen gebracht, und diese Individualität weckte die Tote auf, so erinnert uns das wieder an eine Totenauferweckung im Lukas-Evangelium. Und unzählige Wunder, wenn wir von Wundern sprechen wollen, werden uns erzählt von dieser Individualität, die der Zeitgenosse des Christus Jesus ist. Ja, bis zu dem Grade ähnlich ist sie dem Christus Jesus, daß von ihr erzählt wird, daß sie nach dem Tode den Menschen erschien, wie der Christus Jesus nach dem Tode den Jüngern erschien. Und wenn von christlicher Seite alle möglichen Gründe vorgebracht werden, entweder um von dieser Wesenheit gering zu sprechen, oder sie gar als historische Persönlichkeit zu leugnen, so ist das nicht minder geistreich als das, was gegen die Historität des Christus Jesus selber vorgebracht wird. Diese Individualität ist die des Apollonius von Tyana, und von ihm sprechen wir als von einem wirklichen hohen Adepten, der der Zeitgenosse des Christus Jesus war.
Cite:
GA 131/1911-10-07/p020 · edition original