Dritter Vortrag
Da müssen wir sagen: dieses Christus-Leben, wenn wir jetzt auf die vorhergehenden Inkarnationen des Jesus von Nazareth schauen, entwickelt sich allerdings auch so in einer gewissen Weise. Wenn wir aber den Lebensfaden ziehen, so müssen wir sagen: Im dreißigsten Jahre des Lebens des Jesus von Nazareth verläßt die Individualität diesen Leib, so daß wir von jetzt ab nur die Hülle des physischen Leibes, des Ätherleibes und des astralischen Leibes haben. Die Kräfte aber, welche die Individualität entwickelt, liegen nicht in den äußeren Hüllen, sondern sie liegen in dem Lebensfaden des Ich, der von Inkarnation zu Inkarnation geht. Also etwa die Kräfte, die einer Zarathustra-Individualität angehörten, die zur Vorbereitung in dem Leib des Jesus von Nazareth waren, sie gehen fort mit der Zarathustra-Individualität. Deshalb werden wir sagen: Was jetzt als Hülle da ist, das ist eine normale menschliche Organisation, ist aber keine menschliche Organisation, die — insofern die Individualität in Betracht kommt — etwa eine Adepten-Organisation zu nennen wäre, sondern sie ist einfacher Mensch, schwacher Mensch. Und nun tritt das objektive Ereignis ein: während sonst der Lebensfaden einfach weiter geht wie bei a und c, geht er jetzt bei e einen Seitenweg; dafür aber tritt durch die Johannes-Taufe im Jordan die Christus-Wesenheit in die dreifache Organisation ein. Diese Christus-Wesenheit lebt bis zum dreiunddreißigsten Jahre, bis zum Ereignis von Golgatha, von der Johannes-Taufe ab, nurmehr als die Christus-Wesenheit, wie wir es öfter beschrieben haben. Wessen Angelegenheit also ist denn das Leben des Christus Jesus vom dreißigsten bis zum dreiunddreißigsten Jahre? Es ist nicht die Angelegenheit der Individualität, die von Inkarnation zu Inkarnation gegangen ist, sondern die Angelegenheit derjenigen Individualität, die aus dem Kosmos in den Leib des Jesus von Nazareth eingezogen ist, die Angelegenheit einer Individualität, einer Wesenheit, die nie vorher mit der Erde verbunden war, die aus dem Weltenall herein sich mit einem menschlichen Leib verbunden hat. In diesem Sinne sind die Ereignisse, die sich abspielen zwischen dem dreißigsten und dreiunddreißigsten Jahre des Lebens des Christus Jesus, das heißt zwischen der Johannes-Taufe und dem Mysterium von Golgatha, die Ereignisse des Gottes Christus, nicht die Ereignisse eines Menschen. Daher ist es nicht eine Angelegenheit der Erde, die sich hier abspielt, sondern eine Angelegenheit der übersinnlichen Welt; denn es hatte mit keinem Menschen etwas zu tun. Zum Zeichen dafür, daß es mit keinem Menschen etwas zu tun hatte, hat derjenige Mensch, der diesen Leib bis zum dreißigsten Jahre bewohnt hat, diesen Leib verlassen.
Cite:
GA 131/1911-10-07/p025 · edition original