Vierter Vortrag

GA 131/1911-10-08/p003 ·1911-10-08 · original (original)
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Wenn Sie sich erinnern, womit wir gestern unsere Betrachtung geschlossen haben, so können Sie das Resultat dieser Betrachtung vielleicht in die Worte zusammenfassen: von den Ereignissen in Palästina, von dem Mysterium von Golgatha an bis zum Anbruch derjenigen Epoche, die ja genügend charakterisiert worden ist und an deren Eingangstor wir gewissermaßen in unserem Zeitalter stehen, war das Christus-Ereignis ein solches, daß der Mensch exoterisch auf verschiedenen Wegen zu einer Art von Erleben des Christus-Impulses kommen konnte, — einem Erleben vor der eigentlichen Initiation. Wir haben gesagt, der eine dieser exoterischen Wege sei der durch die Evangelien, durch das Neue Testament. Denn wir können ja aus alledem, was gesagt worden ist, entnehmen, daß der Inhalt der Evangelien, wenn wir ihn in entsprechender Weise in unsere Seele aufnehmen und auf uns wirken lassen, tatsächlich für jeden einzelnen ein inneres Erlebnis zutage fördert. Und dieses innere Erlebnis kann eben als das Christus-Erlebnis bezeichnet werden. Wir haben dann gesagt, daß der andere Weg für den Exoteriker der war, einzugehen auf das, was der Esoteriker, der in gewissem Sinne Initiierte, aus den geistigen Welten verkünden konnte, so daß auch der noch vor der Pforte der Einweihung Stehende, nicht durch das überlieferte Evangelium, sondern durch die fortdauernden Offenbarungen aus den geistigen Welten, zu dem Christus-Ereignis kommen konnte. Dann haben wir gestern den dritten Weg genannt, den der innerlichen Gemütsvertiefung, und haben darauf hingewiesen, daß dieser Weg in unserer Seele ausgehen muß von den Empfindungen, wie der Mensch, wenn er in seinem Innern nur den göttlichen Funken empfindet, zu Stolz und Hochmut getrieben werden kann, und wie er auf der andern Seite, wenn er sich des Zusammenhanges mit dem Gotte nicht bewußt wird, dadurch zur Verzweiflung getrieben werden kann. Und wir haben dann gesehen, wie in der Tat das Wanken zwischen der Verzweiflung auf der einen Seite, und Stolz und Hochmut auf der andern Seite, seit den Ereignissen in Palästina, im Hinblick darauf, das Christus-Ereignis in uns geboren werden läßt. Darauf ist auch hingewiesen worden, wie das alles in den nächsten drei Jahrtausenden von dem Beginn unseres Zeitalters an für die Menschheitsentwickelung anders werden wird. Und wir haben auf das bedeutsame Ereignis, das ein Nachfolger des Mysteriums von Golgatha ist, hingewiesen, das aber nur in den übersinnlichen Welten zu schauen sein wird. Wir haben aber auch darauf hingewiesen, daß die Fähigkeiten der Menschen erhöht werden, und daß von unserem Zeitalter angefangen eine genügend große Anzahl von Menschen heranwachsen wird, um den Christus zu schauen, so daß, was bisher als Glaube in berechtigter Weise in der Welt existiert hat, abgelöst werden wird von dem, was man das Schauen des Christus nennen kann.

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Cite: GA 131/1911-10-08/p003 · edition original