Fünfter Vortrag
Wir brauchen nur die Briefe des Paulus aufzuschlagen und wir werden bald finden, daß Paulus — von dem wir ja wissen, daß er versuchte, gerade das Übersinnliche der Christus-Wesenheit der Menschenbildung einzuverleiben — daß Paulus zum Begriffe, zur Idee des Christus sozusagen die ganze Menschheitsentwickelung herangezogen hat. Allerdings ist es ja so, wenn wir die Briefe des Paulus auf uns wirken lassen, daß wir zuletzt etwas vor uns haben, was durch seine ungeheuere Einfachheit und durch das tief Eindringliche der Worte und Sätze einen allerbedeutsamsten Eindruck macht. Aber nur aus dem Grunde ist das der Fall, weil Paulus selbst durch seine eigene Initiation sich hinaufgearbeitet hat zu jener Einfachheit, die nicht der Ausgangspunkt des Wahren, sondern die Konsequenz, das Ziel des Wahren sein kann. Wenn wir nun eindringen wollen in das, was zuletzt bei Paulus von der Christus-Wesenheit mit wunderbar monumental einfachen Worten zum Ausdruck kommt, so werden wir schon in unserer geisteswissenschaftlichen Art uns nähern müssen einem Verständnis der menschlichen Natur, zu deren Fortentwickelung innerhalb der Erde der Christus-Impuls ja gekommen ist.
Cite:
GA 131/1911-10-09/p004 · edition original