Zehnter Vortrag
Ich möchte dazu eine Zwischenbemerkung machen. Man muß sich tatsächlich in der Geisteswissenschaft daran gewöhnen, daß man nach und nach mit den Weltengeheimnissen und Weltenwahrheiten bekannt gemacht wird. Und wer sich nicht Zeit lassen will in dem Sinne, wie es im Laufe dieser Vorträge charakterisiert worden ist, daß wir warten sollen auf die entsprechenden Wahrheiten, der wird nicht gut vorwärtskommen. Freilich möchten die Menschen alles Geisteswissenschaftliche auf einmal, am liebsten in einem Buche oder in einem Zyklus haben. Aber es geht nicht so. Und hier haben Sie ein Beispiel, daß es nicht so geht. Wie lange ist es her, daß in einem älteren Vortragszyklus zum ersten Male die christliche Einweihung geschildert worden ist, daß gezeigt worden ist: soundso verläuft sie, und der Mensch arbeitet tatsächlich durch die Empfindungen, welche in seiner Seele wirken, bis hinein in seinen physischen Leib. Heute zum ersten Male ist es möglich, weil alles, was in den vorangegangenen Zyklen gesagt worden ist, Elemente waren zum Verständnisse des Mysteriums von Golgatha, daß wir darüber sprechen können, wie sich der Mensch durch die entsprechenden Gefühlserlebnisse der christlichen Einweihung reif macht, um das Phantom zu empfangen, das aus dem Grabe von Golgatha auferstanden ist. Es mußte so lange gewartet werden, bis der Zusammenschluß des Subjektiven mit dem Objektiven gefunden werden konnte, wozu eben viele Vorträge vorangehen mußten. So kann manches auch heute nur als die halbe Wahrheit angedeutet werden. Wer Geduld hat, um mit uns zu gehen, sei es in dieser oder in einer anderen Inkarnation, je nach seinem Karma, wer gesehen hat, wie aufgestiegen werden konnte von der Beschreibung des mystischen Weges im christlichen Sinne bis zur Beschreibung der objektiven Tatsache dessen, was eigentlich der Sinn dieser christlichen Einweihung ist, der wird auch sehen, daß noch viel höhere Wahrheiten aus der Geisteswissenschaft heraus im Verlaufe der nächsten Jahre oder des nächsten Weltalters werden zutage gefördert werden.
Cite:
GA 131/1911-10-14/p009 · edition original