{"corpus":"steiner","locus":"GA 131/1911-10-14/p017","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Da taucht der Gedanke der Wiederverkörperung auf als etwas, was eine Menschheitsangelegenheit ist. Da hat aber auch schon der Christus-Impuls gewirkt. Da ist er hineingeworfen worden. Denn eine Menschheitsangelegenheit machte der Christus-Impuls aus allem, was der Mensch tut oder tun kann; nicht eine Angelegenheit, die uns nur individuell berührt. Nur der kann ja sein Jünger sein, der da sagt: Ich tue es dem geringsten der Brüder, weil ich weiß, Du empfindest es selber so, wie wenn ich es Dir getan hätte! — Wie mit dem Christus die ganze Menschheit verbunden ist, so fühlt sich der, welcher sich zu dem Christus bekennt, der ganzen Menschheit angehörig. Dieser Gedanke hat hineingewirkt in das Denken und Fühlen und Empfinden der ganzen Menschheit. Und als die Idee der Wiederverkörperung im achtzehnten Jahrhundert wieder auftritt, da tritt sie als ein christlicher Gedanke auf. Und wenn wir sehen, wie zum Beispiel Widenmann die Wiederverkörperung behandelt, obwohl er sie embryonal, stümperhaft behandelt, so müssen wir doch sagen, daß in seiner gekrönten Preisschrift aus dem Jahre 1851 sein Gedanke der Wiederverkörperung durchdrungen ist von dem christlichen Impuls; und ein besonderes Kapitel gibt es in dieser Schrift, wo die Auseinandersetzung stattfindet zwischen dem Christentum und der Wiederverkörperungslehre. Das aber war notwendig in der Menschheitsentwickelung, daß erst die anderen christlichen Impulse von den Seelen aufgenommen wurden, damit der Wiederverkörperungsgedanke in einer reifen Form in unser Bewußtsein eintreten kann. Und dieser Wiederverkörperungsgedanke wird tatsächlich so mit dem Christentum sich verbinden, daß man es empfinden wird wie etwas, was sich durch die einzelnen Inkarnationen hindurchzieht; daß man verstehen wird, wie die Individualität, die sich für eine buddhistische Anschauung vollständig verliert — wie wir gesehen haben aus dem Gespräche des Königs Milinda mit dem Weisen Nagasena —, erst dadurch ihren rechten Inhalt erhält, daß sie sich durchchristet. Und jetzt können wir verstehen: warum verliert die buddhistische Anschauung ein halbes Jahrtausend vor dem Erscheinen des Christus das menschliche Ich, während sie beibehält die aufeinanderfolgenden Inkarnationen? Weil der Christus-Impuls noch nicht geschehen ist, der erst hineinfüllt, was immer mehr und mehr bewußt von einer Inkarnation zur anderen gehen kann! Jetzt ist aber die Zeit gekommen, in welcher für die menschliche Organisation die Notwendigkeit eintritt, den Wiederverkörperungsgedanken aufzunehmen, zu verstehen, sich mit ihm zu durchdringen. Denn der Fortschritt der menschheitlichen Entwickelung hängt nicht davon ab, welche Lehren verbreitet werden, welche Lehren neu Platz greifen; sondern da kommen noch andere Gesetze in Betracht, die gar nicht von uns abhängen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Zehnter Vortrag","site_heading":null,"date":"1911-10-14","location":null,"word_count":402,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/131/1911-10-14/p017","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/131/1911-10-14/p017"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/131/1911-10-14/p017","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}