Erster Vortrag
Um zu begreifen, was der Welt zugrunde liegt, genügt es nicht, daß man in Begriffen darüber redet, sich Begriffe, Ideen davon macht; sondern es ist viel notwendiger, daß man sich eine Vorstellung hervorrufen kann von dem Empfinden, das entsteht gegenüber der unendlichen Leere des alten Saturndaseins. Das Gemüt ergreift dann, wenn es nur eine Ahnung davon erhält, das Gefühl des Schauderns. Wenn man hellseherisch aufsteigen will, damit man dann zum Schauen dieses Saturnzustandes kommt, muß man sich in der Weise vorbereiten, indem man sich in der Tat ein Gefühl erwirbt, das in gewisser Beziehung ausgeht von dem jedem Menschen mehr oder weniger bekannten Gefühl des Schwindels auf hohem Berge, wenn der Mensch über einem Abgrunde steht und keinen sicheren Boden unter den Füßen zu haben glaubt; ein Gefühl, daß er an keinem Orte verbleiben könnte, so daß er sich übergeben fühlt an Mächte, an Kräfte, über die er keine Macht mehr hat. Das ist aber erst das Elementare, das Anfangsgefühl. Denn man verliert nicht nur den Boden unter den Füßen, sondern auch das, was Augen sehen, Ohren hören, Hände greifen können, überhaupt das, was in der räumlichen Umgebung ist; und es kann nicht anders sein, als daß man entweder jeden Gedanken verliert, daß man in eine Art von Dämmerung oder Schlafzustand verfällt, in dem man auch zu keiner Erkenntnis kommen kann; oder aber man lebt sich hinein in jene Empfindung, und dann gibt es nichts anderes, als daß man zu jenem Schauerzustande kommt. Aber man muß vorbereitet sein, sonst ist es ein Erfaßtwerden von einem Schwindelzustand, der nicht besiegt werden kann.
Cite:
GA 132/1911-10-31/p012 · edition original