{"corpus":"steiner","locus":"GA 132/1911-10-31/p017","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Das Eigentümliche ist: wenn man sich bis zu diesem Anschauen erhoben hat, tritt eines ein, was für den ungeheuer schwer ist, sich vorzustellen, der sich nicht bemüht, langsam und allmählich zu solchen Vorstellungen zu kommen. Denn es hört etwas auf, was mit dem gewöhnlichen menschlichen Vorstellen so verquickt ist wie nur irgend etwas: der Raum hört auf. Es hat keinen Sinn mehr, zu sagen, man schwimme oben oder unten, vorn oder hinten, rechts oder links oder überhaupt Raumverhältnisse anzuwenden. Es hat keinen Sinn bei dem alten Saturn; es ist überall gleich in dieser Beziehung. Aber das Wichtige ist: wenn man in die ersten Zeiten des Saturndaseins kommt, so hört auch die Zeit auf. Es gibt kein Früher oder Später mehr. Das ist natürlich für den Menschen heute sehr schwer vorzustellen, weil sein Vorstellen selbst in der Zeit verfließt: ein Gedanke ist vor oder nach dem anderen. Daß die Zeit aufhört, das ist nun wieder nur durch ein Gefühl zu charakterisieren. Dieses Gefühl ist wahrhaftig nicht angenehm. — Denken Sie sich einmal Ihre Vorstellungen erstarrt, so daß alles, woran Sie sich erinnern können und was Sie sich vornehmen, wie zu einem starren Stabe erstarrt, so daß Sie sich festgehalten fühlen in Ihrem Vorstellen und sich nicht mehr rühren können. Dann werden Sie nicht mehr sagen können, Sie haben etwas, was Sie früher erlebt haben, «früher» erlebt. Sie sind angebunden daran, es ist da, aber es ist erstarrt. Die Zeit hört auf, eine Bedeutung zu haben. Sie ist überhaupt nicht mehr da. Deshalb ist es auch ziemlich unsinnig, wenn man fragt: Du schilderst da das Saturndasein, das Sonnendasein und so weiter, sage doch, was vor dem Saturndasein war! «Vorher» hat da keinen Sinn mehr, weil die Zeit aufhört, so daß man auch aufhören muß mit allen Zeitbestimmungen. Es ist wirklich beim alten Saturndasein - in einem sehr vergleichsweisen Sinn kann man das sagen — die Welt wie mit Brettern verschlagen, indem man mit dem Gedanken stillestehen muß. Mit dem Hellsehen auch. Die gewöhnlichen Gedanken muß man schon lange zurücklassen, die gehen nicht bis dahin. Bildlich, vergleichsweise ausgedrückt, müßten Sie sich sagen, daß Ihr Gehirn einfriert. Und indem Sie diese Starrheit gewahr werden, würden Sie ungefähr eine Vorstellung haben von dem Bewußtsein, das sich nicht mehr in der Zeit abschließt.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Erster Vortrag","site_heading":null,"date":"1911-10-31","location":null,"word_count":377,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/132/1911-10-31/p017","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/132/1911-10-31/p017"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/132/1911-10-31/p017","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null},"also_served_as":{"lectures":["1911-10-31_02"],"note":"The identical text is also served under the loci listed here. They are the SAME witness under different ids, not independent attestations: do not cite two of them as corroborating each other."}}