Erster Vortrag

GA 132/1911-10-31/p023 ·1911-10-31 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Das ist es ja überhaupt, was wir erreichen müssen: umzuwandeln die Vorstellungen, die wir bekommen, in Imaginationen, in Bilder. Wenn die Bilder auch von uns ungeschickt gemacht sind, wenn sie auch anthropomorphistisch sind, wenn sie auch ausschauen wie geflügelte Menschen, diese Wesen, darauf kommt es nicht an. Das andere wird uns zuletzt schon gegeben, und was sie nicht haben sollen, fällt schon ab. Wenn wir uns nur hingebend vertiefen in solche Bilder, dann tun wir das, was uns allmählich hinaufführt zu solchen Wesen, "Wenn Sie das nehmen, was ich jetzt versuchte, zu charakterisieren als mutvolle Wesen, überflutet von Weisheit, so werden Sie sehen, daß die Seele bald zu allerlei Bildern Zuflucht nehmen muß, die abliegen von den Verstandesbegriffen. Die Verstandesbegriffe verdanken erst viel Späterem ihr Dasein, so daß wir solche Dinge zunächst nicht verstandesmäßig nehmen dürfen. Und Sie müssen es begreifen, was gemeint ist, wenn manche Geister, (denen das Hellsehen aufgeht und die so etwas schildern aus naivem Hellsehen heraus, anders schildern als die Verstandesmenschen. Aber die Verstandesmenschen können dann solche Geister auch nie richtig verstehen. Wer sich davon unterrichten will, dem will ich eine Anleitung dafür geben. Nehmen Sie aus der Reclamschen Universal-Bibliothek das Buch, das ein gutes ist: den sogenannten «alten Schwegler», den früher die Studenten gern benutzten vor dem Examen, der aber jetzt nicht mehr verwendbar ist, seitdem die Seele abgesetzt ist; wenn er auch durch einen Bearbeiter verschlimmbessert worden ist, so ist er doch nicht ganz entstellt worden. Es ist eine Geschichte der Philosophie vom Hegelschen Standpunkte aus. — Also Sie können des alten Schweglers «Geschichte der Philosophie» nehmen, und Sie werden ein gutes Bild haben von allem, was die alte Philosophie betrifft; und selbst wenn Sie da nachlesen über die Hegelsche Philosophie, so finden Sie alles ausgezeichnet geschildert. Aber nun lesen Sie darin das kurze Kapitel gerade über Jakob Böhme, und versuchen Sie sich eine rechte Vorstellung davon zu machen, wie hilflos ein solcher Mensch, der eine Verstandesphilosophie schreibt, gegenüber einem Geist wie Jakob Böhme ist! Paracelsus hat er, Gott sei Dank, ganz ausgelassen, denn da würde er ganz schlimme Sätze hingeschrieben haben. Aber lesen Sie, was dort über Jakob Böhme geschrieben ist. Da kommt Schwegler an einen Geist, dem naiv aufgegangen ist — jetzt nicht das Saturnbild, sondern die Wiederholung des Saturnbildes, denn das hat sich ja in der Erdperiode wiederholt; er kommt an einen Geist, der also nicht anders kann, als mit Worten und Bildern schildern, an die der Verstand nicht heran kann. Da hört für den Verstandesmenschen jedes "Begreifen auf. Nicht, als ob man überhaupt nicht etwa die Dinge begreifen könnte, aber man kann sie nicht begreifen, wenn man auf dem Standpunkte des gewöhnlichen, trockenen Philosophenverstandes bleiben will.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/132/1911-10-31/p023.json
Cite: GA 132/1911-10-31/p023 · edition original