Dritter Vortrag
Demgegenüber könnte man nun sehr leicht den Gedanken aufwerfen: Eigentlich sind diese Wesenheiten fehlerhafte Wesenheiten, Schwächlinge der Weltentwickelung; denn warum sind sie sitzengeblieben? Das ist der eine Gedanke, der uns kommen kann. Aber der andere Gedanke, den wir auch fassen können, ist der: daß der Mensch nie zu seiner Freiheit, zur selbsteigenen Entschließungsfähigkeit gekommen wäre, wenn die luziferischen Wesenheiten nicht auf dem Monde zurückgeblieben wären. So daß der Mensch den luziferischen Wesenheiten auf der einen Seite im Üblen das verdankt, daß er Begierden, Triebe, Leidenschaften in seinem Astralleib hat, die ihn fortwährend in der Entwickelung von einer gewissen Höhe herabdrängen, ihn nach niederen Regionen seines Seins hinziehen. Andererseits aber, wenn dies nicht der Fall wäre, daß der Mensch böse werden kann, daß er abirren kann von dem Guten durch die Kraft der luziferischen Wesenheiten in seinem Astralleib, könnte er auch nicht frei handeln, könnte er nicht das haben, was wir Freiheit des Willens, Willkür nennen. Wir müssen also sagen, auch unsere Freiheit verdanken wir den luziferischen Wesen. Daraus geht also schon hervor, daß die einseitige Auffassung, als ob die luziferischen Wesenheiten nur den Menschen herabbrächten, nicht zutrifft, sondern daß der Mensch ihr Zurückbleiben als etwas Gutes ansehen muß, als etwas, ohne das er gar nicht hätte seine Menschenwürde im wahren Sinne des Wortes erringen können.
Cite:
GA 132/1911-11-14/p012 · edition original