{"corpus":"steiner","locus":"GA 132/1911-11-14/p024","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wir könnten vom Gesichtspunkt der Erkenntniswissenschaft aus diese Verhältnisse auch noch genauer charakterisieren. Nehmen wir an, es sollte irgend etwas gestützt werden, und man sagt jemandem, das könnte man so stützen, daß man eine Säule aufrichtet und die Sache daraufrichtet. Da könnte der Betreffende dann sagen: Eigentlich müßte es auch anders zu machen sein! — Ja, warum sollte es nicht auch anders zu machen sein? Oder es könnte jemand sagen, wenn man bei einem Bau ein Dreieck braucht: Warum sollte dieses Dreieck nur drei Ecken haben? Ein Gott könnte vielleicht ein Dreieck so machen, daß es nicht drei Ecken habe! - Aber so viel Sinn es hat, daß ein Dreieck nicht drei Ecken haben soll, so viel Sinn hätte es, daß die Götter die Freiheit hätten schaffen sollen ohne die Möglichkeit des Bösen und des Leides. Wie zum Dreieck drei Ecken gehören, so gehört zur Freiheit die Möglichkeit des Bösen durch die Resignation geistiger Wesenheiten. Das alles gehört zur Resignation der Götter, die dadurch die Evolution geschaffen haben aus dem Unsterblichen heraus, nachdem sie durch den Verzicht auf das Opfer den Grad der Unsterblichkeit genommen hatten, um das Böse wieder zurückzuführen zum Guten. Die Götter haben nicht vermieden das Böse, was allein die Möglichkeit der Freiheit geben konnte. Hätten die Götter das Böse vermieden, so wäre die Welt arm, wäre nicht mannigfaltig. Die Götter mußten das Böse um der Freiheit willen in die Welt kommen lassen, und sie mußten dafür für sich die Macht erringen, das Böse wieder in das Gute zurückzuführen. Diese Macht ist etwas, was als Wirkung nur aus dem Verzicht, aus der Resignation kommen kann.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Dritter Vortrag","site_heading":null,"date":"1911-11-14","location":null,"word_count":268,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/132/1911-11-14/p024","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/132/1911-11-14/p024"}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null},"also_served_as":{"lectures":["1911-11-14_02"],"note":"The identical text is also served under the loci listed here. They are the SAME witness under different ids, not independent attestations: do not cite two of them as corroborating each other."}}