{"corpus":"steiner","locus":"GA 132/1911-11-14/p026","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Aber noch an einer anderen Stelle unserer irdischen Geschichte können wir dieses Resignieren höherer Wesenheiten finden, und auch da dürfen wir wieder hinweisen auf etwas, worauf wir schon das letzte Mal hingewiesen haben: auf das Bild von Leonardo da Vinci, auf das «Abendmahl». Stellt es doch die Szene vor, wo wir gleichsam den Sinn der Erde vor uns haben, den Christus. Erinnern wir uns, indem wir den ganzen Sinn des Bildes durchdringen wollen, an jene Worte, die wir auch im Evangelium finden: «Könnte ich nicht ein ganzes Heer von Engeln herbeirufen, wenn ich entgehen wollte dem Opfertode?» Was in diesem Moment der Christus annehmen könnte, was ihm selbstverständlich eine leichte Möglichkeit wäre, das wird in Resignation, in Verzicht zurückgewiesen. Und der größte Verzicht des Christus Jesus tritt uns da entgegen, wo er durch seinen Verzicht den Gegner selber in seine Sphäre kommen läßt: den Judas. Wenn wir in dem Christus Jesus dasjenige sehen, was wir in ihm sehen können, so müssen wir in ihm ein Abbild derjenigen Wesenheiten sehen, die wir jetzt eben auf einer gewissen Entwickelungsstufe kennengelernt haben, derjenigen, die auf das Opfer verzichten mußten, derjenigen, deren Natur Resignation ist. Der Christus resigniert auf das, was geschehen würde, wenn er nicht den Judas als seinen Gegner auftreten lassen würde, wie die Götter einst während der Sonnenzeit selber durch Resignation ihre Gegner hervorgerufen haben. So sehen wir diesen Vorgang wiederholt im Bilde auf der Erde: der Christus in der Mitte unter den Zwölfen, mit Judas, der dasteht als der Verräter so, wie die Gegner der kosmischen Mächte auftraten. Damit das in die Entwickelung eintreten kann, was der Menschheit unendlich wert ist, muß sich der Christus selbst seinem Gegner entgegenstellen. Weil wir an einen so gewaltigen kosmischen Augenblick erinnert werden beim Anblick des Abendmahles, wenn wir uns die Worte vorhalten: «Wer mit mir den Bissen in die Schüssel tauchen wird, der wird mich verraten», weil wir da im irdischen Abbilde sehen den Gegner. der Götter selbst den Göttern gegenübergestellt, deshalb macht dieses Bild einen so gewaltigen Eindruck. Deshalb durfte ich oft sagen: Alles, was ein Marsbewohner sehen würde, wenn er heruntersteigen könnte auf die Erde, würde er vielleicht mehr oder weniger interessant finden, wenn er es auch nicht recht verstehen würde. Beim Anblick aber jenes Bildes von Leonardo da Vinci würde er aus einer Stelle des Kosmischen, die mit dem Mars ebenso zusammenhängt wie mit der Erde, mit der das ganze Sonnensystem zusammenhängt, etwas kennenlernen, woraus er den Sinn der Erde erkennen würde. Was da im irdischen Bilde abgebildet ist, das hat für den ganzen Kosmos eine Bedeutung: das Sich-Entgegenstellen gewisser Mächte den unsterblichen göttlichen Mächten. Und indem inmitten seiner Apostel der Christus erscheint, der auf der Erde den Tod überwindet, also den Triumph der Unsterblichkeit zeigt, muß auf jenen bedeutungsvollen universellen Moment hingewiesen werden, der da eintrat, als sich überhaupt Götter absonderten vom zeitlichen Sein und den Sieg über die Zeit errangen, das heißt, unsterblich wurden. Das kann unser Herz fühlen, wenn wir das «Abendmahl» von Leonardo da Vinci anschauen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Dritter Vortrag","site_heading":null,"date":"1911-11-14","location":null,"word_count":500,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/132/1911-11-14/p026","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/132/1911-11-14/p026"}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null},"also_served_as":{"lectures":["1911-11-14_02"],"note":"The identical text is also served under the loci listed here. They are the SAME witness under different ids, not independent attestations: do not cite two of them as corroborating each other."}}