Siebenter Vortrag
Warum das? Da bitte ich Sie, sich an eine Sache zu erinnern, die ich öfter ausgeführt habe: daß für die Anschauung der ersten nachatlantischen Kulturperiode, deren Lehrer die großen heiligen Rishis waren, der menschliche Ätherleib in Betracht kommt, der damals hauptsächlich tätig war, während in der urpersischen Kulturzeit der menschliche Astralleib, der Empfindungsleib besonders tätig war, in der ägyptisch-chaldäischen Zeit die Empfindungsseele, in der griechisch-lateinischen Zeit die Verstandes- oder Gemütsseele, in unserer heutigen Epoche die Bewußtseinsseele, und jetzt gehen wir der Zeit entgegen, in welcher nach und nach in der Kulturerscheinung das hervortritt, was wir das Geistselbst nennen. Indem sich der Mensch so entwickelte, ging mit dem, was seine Seele erlebte, etwas sehr Bedeutsames vor. Denken Sie nur einmal, daß der alte Inder, der Urinder, von dem die Veden nichts mehr wissen, sozusagen so die Welt anschaute, wie sich dieses Weltbild ergab, wenn vorzugsweise der Ätherleib tätig war. Denn durch den Ätherleib kann der Mensch nicht so nach außen schauen, wie er heute nach außen schaut. Er kann nicht eine solche Anschauung, ein solches Weltbild gewinnen, wie es das heutige ist, sondern durch den Ätherleib kommt alles von innen. Der heutige Mensch bekommt nur noch ein schwaches, mattes Bild von der Art, wie die Anschauung durch den Ätherleib zustande kommt, wenn er sich erinnert, wie seine Träume sind. Nur waren das im höchsten Grade lebendige Träume und Visionen, was in der urindischen Zeit die Menschen voneinander wußten. Begegnete ein Mensch dem andern auf dem Wege, so konnte er ihn nicht mit dem äußeren Auge so sehen wie heute. Das zu glauben, wäre ein Vorurteil. Allerdings, er sah ein Bild, das er vor sich hatte. Der Mensch war noch umgeben von einer Art aurischen Wolke, und was er physisch vor sich hatte, war wie in eine Art Nebel eingehüllt. Er nahm ganz anders wahr. Und bei dem, was gegenüber der heutigen Auffassung in verschwommenen Bildern wahrgenommen wurde - dieses Wahrgenommene hatte dagegen geistig die höchste Bedeutung -, war das Klare für die alten Zeiten das, was aus dem Weltenraume, aus der Sternenwelt herunterströmte.
Cite:
GA 133/1912-05-20/p011 · edition original