Reincarnation and Immortality
Das zweite, was wir in unserem Seelenleben herumtragen, sind die Gefühlserlebnisse. Diese treten ja in einer recht vielgestaltigen Weise in uns auf. Da ist der alibekannte Gegensatz im Gefühlsleben, den man bezeichnen kann mit Sympathie und Antipathie, die wir den Dingen entgegenbringen, oder wenn man es deutlicher bezeichnen will: Liebe und Haß. Dann sind da die Gefühle, die man bezeichnen kann als die, welche eine gewisse Erregung bewirken, und wieder die, welche eine gewisse Spannung und Entspannung bewirken. Die lassen sich nicht zusammenwerfen mit den Gefühlen der Sympathie und der Antipathie. Denn ein Seelenimpuls, den man eine Spannung, eine Erregung und eine Entspannung nennen kann, ist etwas anderes als das, was sich bloß in Sympathie oder Antipathie auslebt. Aber man müßte viel reden, wenn man die verschiedenen Gattungen der Gefühlsinhalte charakterisieren wollte. Es gehören auch dazu die, welche man bezeichnen kann als die Gefühle für das Schöne und für das Häßliche, die als ein ganz besonderer Seeleninhalt sich ausnehmen, die sich nicht vergleichen lassen mit den bloßen Sympathie- und Antipathiegefühlen, wenigstens sich nicht mit ihnen zusammenwerfen lassen. Dann auch könnten wir die Gefühle, die wir haben für Gut und Böse, als eine besondere Gattung bezeichnen. Es ist heute nicht die Zeit, um auszuführen, wie das innere Erlebnis, das wir an einer guten oder einer bösen Handlung haben, etwas ganz anderes ist als das Gefühl der Sympathie oder Antipathie für eine gute oder böse Handlung, daß wir die gute Handlung lieben, die böse hassen. So treten uns die Gefühle in der mannigfaltigsten Gestalt entgegen, und wir können sie unterscheiden von den Vorstellungen.
Cite:
GA 135/1912-01-30/p015 · edition original