Zweiter Vortrag
Nun wissen wir, daß in unseren eigenen Astralleibern wiederum eingebettet ist das, was wir die höheren Glieder der Menschennatur nennen können und was wir zunächst zusammenfassen als das in unseren astralischen Leib eingebettete Ich. Von unserem astralischen Leib haben wir schon gesagt, daß er in das Gebiet der Geister der Umlaufszeiten, gleichsam in das wogende Meer der Geister der Umlaufszeiten untertaucht: unser Ich, das schläft eigentlich für das normale Bewußtsein noch mehr als der astralische Leib. Daß dieses Ich noch mehr schläft, das wird derjenige Mensch, der sich in einer okkulten Entwickelung befindet, der esoterisch sich weiterbringt, dadurch gewahr, daß er zuerst eindringen lernt in die Wahrnehmungen des astralischen Leibes, in die geistige Welt, in die er untertaucht und die da besteht aus den Geistern der Umlaufszeiten. Dieses Wahrnehmen ist eigentlich in gewisser Beziehung eine gefährliche Klippe der esoterischen Entwickelung. Denn der astralische Leib des Menschen ist wiederum eine Einheit, alles das aber, was im Gebiet der Geister der Umlaufszeiten ist, das ist im Grunde genommen eine Vielheit, eine Mannigfaltigkeit. Und da der Mensch, wie geschildert wurde, vereinigt ist mit dieser Mannigfaltigkeit, untergetaucht ist in diese Mannigfaltigkeit, so fühlt er sich, wenn er mit seinem Ich noch schläft und mit seinem astralischen Leib aufgewacht ist, wie zerstückelt innerhalb der Welt der Geister der Umlaufszeiten. Das muß auch bei einer regelrechten esoterischen Entwickelung vermieden werden. Daher werden von denjenigen, die Anweisung geben können zu einer solchen regelrechten Entwickelung, Maßregeln getroffen, daß der Mensch womöglich sein Ich gar nicht zum Einschlafen bringt, wenn sein astralischer Leib schon aufgewacht ist. Der Mensch würde nämlich, wenn sein Ich schlafend bliebe, während sein astralischer Leib schon aufgewacht ist, seinen inneren Zusammenhalt verlieren und würde sich zerspalten wie Dionysos vorkommen in der ganzen astralischen Welt der Erde, welche aus den Geistern der Umlaufszeiten besteht. Bei einer richtigen esoterischen Entwickelung werden also Maßregeln getroffen, daß dies nicht geschieht. Diese Maßregeln bestehen darin, daß man Sorge trägt, daß derjenige, welcher durch Meditation, Konzentration oder durch andere esoterische Übungen bis zur Hellsichtigkeit getrieben werden soll, in das ganze Gebiet der hellsichtigen, der okkulten Beobachtung hinein zwei Dinge behält, zwei Dinge ja nicht verliert. Das ist außerordentlich wichtig, daß in jeder esoterischen Entwickelung alles so eingerichtet wird, daß zwei Dinge nicht verlorengehen, die der Mensch im gewöhnlichen Leben hat, die er allerdings leicht verlieren kann in der esoterischen Entwickelung, wenn sie nicht richtig dirigiert wird. Wird sie aber richtig dirigiert, dann wird er sie nicht verlieren. Das erste ist, daß der Mensch nicht verliert die Erinnerung an alle Erlebnisse der gegenwärtigen Inkarnation, wie er sie sonst hat in seinem Gedächtnis. Der Zusammenhalt des Gedächtnisses darf nicht zerstört werden. Mit diesem Zusammenhalt des Gedächtnisses meint man auf dem Gebiet des Okkultismus noch viel mehr als im gewöhnlichen Leben. Im gewöhnlichen Leben versteht man mit diesem Gedächtnis eigentlich nur, daß man zurückblicken kann und wichtige Ereignisse seines Lebens nicht gerade aus dem Bewußtsein verloren hat. Im Okkultismus meint man unter richtigem Gedächtnis auch noch, daß der Mensch mit seiner Empfindung, mit seinem Gefühl nur auf das etwas gibt, was er schon in der Vergangenheit geleistet hat, so daß sich der Mensch keinen anderen Wert beimißt als den Wert, den ihm die Taten seiner Vergangenheit geben.
Cite:
GA 136/1912-04-04/p012 · edition original