Sechster Vortrag
Nun gehen wir zu der anderen Seite dieses Mysteriums. Wir haben gesprochen von der Ich-Natur des Menschen, wir haben davon geredet, daß diese Ich-Natur des Menschen als eine Einheit erscheint. Wir haben aber auch gesehen, daß diese Einheit fortwährend abgebrochen wird, daß sie immer durchbrochen wird von dem Schlafe. Lesen Sie nun die entsprechenden Kapitel in meinem, auch in Ihre Sprache übersetzten Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», da werden Sie etwas höchst Merkwürdiges finden. Sie werden finden, daß, wenn der okkultistische Aspirant seinen Schritt aus dem gewöhnlichen Bewußtsein heraus macht, er mit seinem Bewußtsein, mit seinem Ich, gleichsam in drei Glieder aufgeteilt wird, und zwar so, daß die selbständigen Glieder seines Inneren ihn überwältigen: die denkende Seele, die fühlende Seele, die wollende Seele. Im gewöhnlichen Leben sind diese drei Dinge, Denken, Fühlen und Wollen, zusammengefügt in der Ich-Natur, im Ich-Bewußtsein. Während also überall in unserem gewöhnlichen, alltäglichen Bewußtsein ineinanderspielen Denken, Fühlen und Wollen, gehen sie auseinander, sobald wir einen Schritt in das höhere Bewußtsein hinein tun. Das ist bedeutungsvoll und zu berücksichtigen beim okkultistischen Aspiranten, daß, wenn er sein Bewußtsein überschreitet, er sich wie aufgeteilt findet in drei Glieder, daß seine Ich-Einheit gewissermaßen aufgeteilt ist in einen denkenden, fühlenden und wollenden Menschen.
Cite:
GA 137/1912-06-08/p043 · edition original