Achter Vortrag
Ich möchte Ihnen nun schildern, wie es zugeht, wenn jemand als okkultistischer Aspirant ausgeht von der menschlichen Gestalt und in die übersinnliche Welt eindringt. Ich weiß nicht, ob jeder von Ihnen schon diese merkwürdige Erfahrung gemacht hat, die ja alltäglich ist, aber die man eben doch machen muß, wenn man etwas wissen will von ihr, daß, wenn man sein Auge besonders auf einen hellen Gegenstand gerichtet hat, dann der Eindruck im Auge länger haftet, als das Auge auf den Gegenstand gerichtet ist. Es hat sich insbesondere Goethe, wie er wiederholt in seiner Farbenlehre erzählt, mit diesen Nachbildern, die zurückbleiben im Organismus, das heißt innerhalb der menschlichen Gestalt, viel beschäftigt. Wenn Sie sich zum Beispiel des Abends ins Bett legen, die Flamme des Lichtes auslöschen und die Augen dann schließen, so können Sie ein Bild der Flamme noch längere Zeit, gleichsam nachklingend, vor sich haben. Für die meisten Menschen, welche ein solches Nachklingen wahrgenommen haben, ist ein äußerer Eindruck erschöpft, wenn sie dieses Nachklingen gehabt haben. Dann haben sie sozusagen jene Bewegungen, jene Vibrationen ausgelebt, welche hervorgerufen worden sind durch den äußeren Eindruck. Dann ist aber auch für die meisten Menschen dieser äußere Eindruck vergangen.
Cite:
GA 137/1912-06-10/p007 · edition original