Achter Vortrag
An das, was die Gegenwart darbietet, kann man sich nicht halten, denn alles, was man im Leben gewonnen hat, zeigt sich, weil dieser Leib selber zerbrechlich ist, als ein Zerbrechliches, als ein Vergängliches. Das Ewige verspricht einem Luzifer. Daran kann man sich auch nicht halten. Aber es kommt der Moment, wo man sich an eines halten kann, wenn auch nicht an das Gegenwärtige: an eine Erinnerung, die einem bleiben kann aus dem gewöhnlichen Erdenleben. Diese Erinnerung muß einem wie ein Gedanke aus dem Erdenleben bleiben und muß sich hinüberergießen in diese Begegnung mit dem Tode und Luzifer. Sie ergießt sich hinüber, sie kommt einmal, sie tritt einmal ein, diese Erinnerung, dieser Gedanke, welcher einem der einzige Halt sein kann. Aber dieser Gedanke ist ein außerordentlich, man möchte sagen, schwacher Gedanke. Deshalb ist auch eine starke Energie notwendig, um diese Erinnerung, diesen Gedanken zu haben. Das einzige, woran man sich als an ein Sicheres erinneren kann, ist der Ich-Gedanke, der Gedanke: Du bist ein Selbst gewesen da drüben. — Aber dieser Gedanke ist außerordentlich schwierig zu halten. Es werden manche Menschen wissen, daß es schon außerordentlich schwierig ist, einen Traum aus dem anderen Bewußtseinszustand in den gegenwärtigen hereinzubringen. Den Ich-Gedanken herüberzutragen aus der Erdenwelt in das Bewußtsein, in das man eingetreten ist, ist ungeheuer schwer, und es geschieht doch nur zu leicht, daß dieser Ich-Gedanke, wenn man die übersinnliche Welt betreten hat, wie ein Traum ist, den man gehabt hat in der Erdenwelt und an den man sich nicht erinnert. Wie ein vergessener Traum ist dieser Ich-Gedanke, wenn man in das andere Bewußtsein eintritt.
Cite:
GA 137/1912-06-10/p021 · edition original