Achter Vortrag
Was hat dagegen bei einem anderen Initiierten zu geschehen? Da muß uns gezeigt werden, wie er stufenweise den Pfad der Erkenntnis hinaufgeschritten ist. Bei höheren Initiierten kann erzählt werden, daß sie viele Vorbedingungen aus ihren früheren Inkarnationen mitgebracht und nur die letzte Stufe noch durchzumachen hatten. Nichts von alledem finden wir bei Christus. Die Versuchungsgeschichte, wie schon angedeutet, das ist alles. Was bei ihm vorliegt, ist ein höchstes Durchdrungensein mit dem göttlichen Selbstbewußtsein. Das bildet den Eingang des Christus-Lebens der drei Jahre. Dann haben wir vor uns in diesem Christus Jesus ein merkwürdiges Bild: Wir haben vor uns etwas, was sozusagen aus dem unmittelbaren Erdenmenschen heraus die höchste göttliche Offenbarung tut. Bei einem anderen Initiierten müssen wir erzählen: Diese oder jene Stufe hatte er überschritten, dann konnte er diese oder jene Offenbarung tun. — Bei dem Christus Jesus aber sprudelt das alles von Anfang an heraus, und es wird uns nicht erzählt für die drei Jahre des Christus Jesus-Lebens, er hätte diese oder jene Stufe überschritten. Und wenn man etwa gar die Beschreibung des Todes und der Auferstehung des Christus Jesus als solche Stufen betrachten wollte, so würde man damit zeigen, daß man sich nicht klar darüber ist, daß durch die Kraft, welche schon in dem lebenden Christus war, die Auferstehung geschehen ist; daß das nicht ein Initiationsakt ist, daß der Christus Jesus nicht auferweckt worden ist durch einen anderen Initiierten, sondern durch die göttliche Kraft, welche von außerhalb der Erde herstammt, durch die Kraft, die ihm mitgeteilt worden ist durch die Johannes-Taufe. Damit war schon die Auferstehung gegeben bei dem Christus, wogegen der Akt, den man bei anderen Initiierten Auferstehung nennen kann, durch die Taten und Aufschlüsse eines älteren Initiierten geschehen mußte.
Cite:
GA 137/1912-06-10/p032 · edition original