{"corpus":"steiner","locus":"GA 138/1912-08-29/p020","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wenn Sie irgendwo die Welt nehmen, so können Sie nicht sagen, wenn Sie vom Standpunkt des hellseherischen Bewußstseins aus sprechen, insofern irgendwo in der Welt ein Wesen ist, dieses Wesen sei ein zeitliches, oder dieses Wesen sei ein ewiges. Für das geistige Bewußtsein hat der Ausdruck keinen Sinn: Hier ist ein Wesen, das zeitlich ist -, oder: Hier ist ein Wesen, das ewig ist - sondern etwas ganz anderes hat einen Sinn. Was dem Dasein zugrunde liegt - Augenblick und Ewigkeit -, ist immer und überall. Die Frage kann nicht anders gestellt sein als: Wie kommt es, daß die Ewigkeit einmal als Augenblick erscheint, daß das Ewige einmal zeitlich erscheint, und daß ein Wesen in der Welt die Gestalt des Zeitlichen annimmt? Das kommt von nichts anderem als davon her, daß unser Sinnensein überall, wo es auftritt, von luziferischen Wesenheiten zugleich durchsetzt ist. Und soweit das huziferische Wesen hereinspielt, soweit wird die Ewigkeit zur Zeitlichkeit gemacht. Sie müssen also sagen: Ein Wesen, das irgendwo in der Zeit auftritt, ist soviel ein ewiges Wesen, als es sich zu befreien vermag von dem luziferischen Dasein, und es ist ebensoviel ein zeitliches Wesen, als es unterliegt dem luziferischen Dasein. Man hört auf, wenn man geistig zu charakterisieren beginnt, die Ausdrücke des gewöhnlichen Lebens zu gebrauchen. Wenn man im gewöhnlichen Leben anwendet, was die Religionen lehren und was die Theosophie lehrt, so würde man sagen: Der Mensch hat seinen Leib als äußere Hülle, und er hat in sich sein Seelen- und Geistessein; der Leib ist vergänglich, das Seelen- und Geistessein ist ewig und unsterblich. So ist es richtig gesprochen, insofern man in der Sinnenwelt drinnen ist und dort die Dinge charakterisieren will. Es ist nicht mehr richtig gesprochen, wenn man den Gesichtspunkt der geistigen Welt anwenden will, sondern da muß man sagen: Der Mensch ist ein Wesen, zu dessen ganzer Natur fortschreitende göttliche Wesen und luziferische Wesen mitwirken müssen. Und insofern fortschreitende göttliche Wesen in ihm sind, ringt sich ein Teil seines Wesens so los von allem, was daran luziferisch ist, daß es der Ewigkeit teilhaftig ist. Insofern die göttlichen Wesen wirken, hat der Mensch Anteil an dem Ewigen; insofern die luziferische Welt in ihm wirkt, gliedert sich an die Menschenwesenheit alles an, was mit Vergänglichkeit und Zeitlichkeit verbunden ist.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Fünfter Vortrag","site_heading":null,"date":"1912-08-29","location":null,"word_count":376,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/138/1912-08-29/p020","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/138/1912-08-29/p020"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/138/1912-08-29/p020","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}