Fünfter Vortrag
Was ich Ihnen jetzt gesagt habe, kann natürlich nicht irgendwie aufgefaßt werden als ein Ausfluß einer der bestehenden christlich konfessionellen Weltanschauungen, denn ich glaube nicht, daß es sich irgendwo charakterisiert fände. Aber wohl findet sich in einer gewissen Weise, weil das Christentum eben durchaus nicht in seinem bisherigen Verlauf das erreicht hat, was es erreichen muß, man möchte sagen, das Gegenteil von dem Charakterisierten, aber auf eine sehr eigentümliche Weise, auf die man erst kommt, wenn man die Dinge okkult genau einsieht. Vielleicht werden doch einige von Ihnen wissen, daß es unter den offiziellen Vertretern des Christentums viele gibt, die eine heillose Angst vor allem haben, was man Okkultismus nennt, und alles dieses als ein reines Teufelszeug betrachten, das dem Menschen nur Verderben bringen kann. Warum ist das so? Warum erlebt man es immer wieder und wieder, wenn man mit den Vertretern irgendwelcher Priesterschaft spricht und auf Okkultismus oder Theosophie die Rede kommt, daß sie das abweisen? Und wenn man einem solchen Herrn sagt: Sehen Sie doch einmal ein, daß die christlichen Heiligen immer die höheren Welten erlebt haben und daß dies in den betreffenden Biographien dargestellt ist -, dann bekommt man zur Antwort: Ja, das ist zwar so, aber das darf nicht angestrebt werden. Man darf zwar das Leben der Heiligen lesen, aber wenn man sich nicht der Gefahr der Teufelei aussetzen will, darf man es nicht nachleben. - Woher kommt das?
Cite:
GA 138/1912-08-29/p025 · edition original