{"corpus":"steiner","locus":"GA 138/1912-08-29/p026","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wenn Sie das zusammennehmen, was ich gesagt habe, werden Sie es begreifen: Es ist eine Art Angstgefühl, das sich darin ausdrückt, ein recht starkes Angstgefühl. Die Leute wissen nicht, woher es kommt, aber der Okkultist kann es wissen. Der Mensch kann - wie ich Ihnen im zweiten Vortrag gesagt habe - in den höheren Welten diese Erinnerung an den Christus nur haben, wenn er ihn richtig hier in der physisch-sinnlichen Welt auf der Erde erfaßt hat. Und richtig ist es, schon in der allernächsten Welt ihn zu haben, in die man eintritt, wo man noch das übrige Menschliche als Erinnerungsvorstellung hat. Es ist auf der einen Seite nötig, daß man die Erinnerungsvorstellung hat, auf der anderen Seite kann man sie nur haben, wenn man sich hier schon damit durchdrungen hat. Deshalb kommt es vor, daß die, welche etwas mit dem Okkultismus bekannt geworden sind, aber gewisse wichtige und eklatante Tatsachen nicht durchdrungen haben, es für einerlei halten, ob der Mensch in unseren jetzigen Zeiten, wenn er in die höheren Welten hinaufdringt, mit der Christus-Vorstellung bekannt geworden ist oder nicht. Denn sie glauben, was dort oben ist, hinge doch nicht so stark von dem ab, was man unten erlebt hat, obwohl sie es sonst immer betonen. Es hängt aber gerade die Art, zu dem Christus sich in den höheren Welten zu stellen, davon ab, wie man sich zu ihm verhalten hat in der physischen Welt. Wenn man es nicht versucht, die richtige Vorstellung von ihm in der physischen Welt hervorzurufen, so kommt man in einer gewissen Weise unreif hinauf und kann ihn dort nicht finden, trotzdem man ihn finden sollte; so daß einem, wenn man nicht auf diese ganz bedeutsame, eklatante Sache bedacht ist, in der Tat durch das Hinaufrücken in die höheren Welten die Christus-Vorstellung vollständig verlorengehen kann. Wenn es also jemand verschmähen würde, schon innerhalb des Sinnenseins ein Verhältnis zu dem Christus zu gewinnen, so könnte er ein großer Okkultist werden und nichts von dem Christus durch seine Wahrnehmungen in den höheren Welten wissen, denn er würde ihn dort nicht finden und würde nichts lernen können von ihm. Seine Vorstellungen über ihn würden immer mangelhaft sein. Das ist das Bedeutsame. Ich sage Ihnen damit nicht irgend etwas, was ich Ihnen aus einer subjektiven Meinung heraus sage, sondern was ein gemeinsames objektives Resultat derer ist, die darüber Forschungen angestellt haben. Bei den Okkultisten kann es objektiv beschrieben werden, daß es so ist; bei dem, der keine Nötigung dazu empfindet, Okkultist zu werden, sondern der nur ein braver Vertreter seines Religionsbekenntnisses ist, äußert es sich mit all jener Unbewußtheit, die ich jetzt als Angstzustand geschildert habe. Und wenn jemand dann den Weg in die höheren Welten unternehmen will, ist das ein großes Teufelszeug, und solche Menschen meinen, der könnte doch vielleicht nicht das richtige Verhältnis zum Christus gewonnen haben, also soll er nur ja nicht aus der gewöhnlichen Welt hinausgeführt werden. Es ist also diese Angst in einer gewissen Weise eine begründete. Diese Menschen wissen nicht, wie es zum Christus hingeht, und wenn sie dann in die höheren Welten hineinkommen, geht ihnen der Christus verloren. Es ist das etwas, was man als eine Art Angst bei einer gewissen Priesterschaft verstehen kann, dem man aber in keiner Weise entgegenkommen kann. Ich bitte diesen kleinen Exkurs, der kulturhistorisch interessant ist, weil man dadurch vieles versteht von dem, was sich im Leben abspielt, als bedeutend zu betrachten und sich nachdenkend im Leben damit zu beschäftigen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Fünfter Vortrag","site_heading":null,"date":"1912-08-29","location":null,"word_count":571,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/138/1912-08-29/p026","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/138/1912-08-29/p026"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/138/1912-08-29/p026","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}