Sechster Vortrag
In unserer Zeit ist es insbesondere für diejenigen, die spirituelle Erkenntnis anstreben, wichtig, solche Gestalten wie Luzifer und Ahriman, denen man auf dem Wege zur Initiation ja immer begegnet, einmal gerade in ihrer Vielartigkeit, in ihrer Variabilität ins Auge zu fassen. Dann wird sich zeigen, wie merkwürdig die Beziehungen und Verkettungen der einen Welt mit der anderen sind. Es zeigt sich an vielen Zeichen unserer Zeit, daß allmählich Verständnis wachgerufen werden kann für das Hereinspielen der einen Welt in die andere. Ich möchte da zunächst von etwas Naheliiegendem ausgehen, das nur nicht immer naheliegend genug empfunden wird. In unserer Zeit besteht in den weitesten Kreisen das lebhafteste Bedürfnis, die Naturordnung, die Naturgesetze kennenzulernen, die durch alles - auch durch alles Wesenhafte - hindurchwirken, das uns im Sinnensein entgegentritt. Und es besteht der Hang, nicht zu achten auf alles, was etwa von anderen Welten her über den Menschen und das Weltendasein gesagt werden kann, sondern nur sozusagen aus der einen Welt heraus eine gesamte Weltanschauung aufzubauen. Das gibt ja die mehr oder weniger monistischen oder auch als materialistisch bezeichneten Weltanschauungen der Gegenwart. Man möchte sagen, gleichsam wie ein wohltätiger Gegenschlag gegen dieses Bestreben haben sich in unserer Zeit andere Bestrebungen geltend gemacht, welche innerhalb der Welt, in der wir leben, solche Erscheinungen aufsuchen, welche von anderen Gesetzen beherrscht sind als die Welt der Naturordnung, diejenigen Erscheinungen in ihrer Mannigfaltigkeit aufsuchen, welche als widersprechend dieser Naturordnung von dem materialistischen Sinn empfunden werden. Man sollte wohl achten auf alles, was im Sinne ernster Wissenschaftlichkeit auf diesem Gebiete gearbeitet wird. Denn indem in unserer Zeit dem rein materialistischen Forschen - wenn auch wenig beachtet - ein anderes Forschen entgegentritt, welches andere Zusammenhänge in unserem Sinnensein sucht, als das Sinnensein selber darbietet, wird ja nichts Geringeres getan, als das Hereinspielen ganz anderer Welten mit anderen Daseinsgesetzen schon innerhalb der Forschungsmethoden des Sinnenseins selbst zu suchen. In dieser Beziehung ist es außerordentlich wünschenswert, daß namentlich der Theosoph immer darauf achten sollte, was in dieser Richtung geleistet wird - geleistet wird, indem die wissenschaftlichen Methoden ausgedehnt werden auf das Hereinspielen übersinnlicher Welten in unser Sinnensein. Für kleinere Kreise habe ich schon darauf hingewiesen; für diesen größeren Kreis will ich es heute tun.
Cite:
GA 138/1912-08-30/p005 · edition original