Sechster Vortrag
Ja, in dieses Sinnensein spielen herein diejenigen Bestrebungen, die wir als menschlich egoistische, als selbstsüchtige Bestrebungen jeder Seele betrachten. Wir wissen ja, daß jede Seelenentwickelung vom Egoismus ausgehen muß. Das ist natürlich. Wir wissen aber auch, daß wieder ein Herausarbeiten aus dem Egoismus stattfinden kann. In all das, was jemals Seelen aus dem Egoismus heraus auf der Erde haben tun können, fällt das hinein, was man nennen kann: Offenbarung des Ewigen in dem Augenblick. In das, was in der individuellen Seele fixiert ist, spielen fortwährend luziferische Kräfte hinein. Aber noch in etwas anderes spielen sie hinein, nämlich in all das, was der einzelne Mensch gerade für die gesamte Weltenordnung, für das Weltendasein dadurch tun kann, daß er eine Egoität ist und hat, daß er in sich innerliche Größe entwickeln kann, die aus seinem Innern hervorsprudelt. Was ist denn das individuelle Große in der einzelnen Seele anderes als das, was der Keim des Großen in aller Weltenentwickelung der Menschheit ist? Wodurch haben Homer, Shakespeare, Dante, Goethe auf die Menschheit gewirkt? Dadurch, daß sie Egoitäten waren, daß in ihrem Innern ganze Welten waren, Welten, die nur aus ihrem Innern, aus ihrer Egoität herausgekommen sind. Dadurch aber werden - auf dem Umwege durch die Egoitäten - die Impulse des geistigen Lebens hereingetragen, welche von Epoche zu Epoche gerade die größten, nämlich die geistigen Taten der Menschheit vermitteln. Da ist wieder Luzifer drinnen. Da ist er der Lichtträger, der Impuls und die Macht alles Großen, welches aus der großen punktuellen, aus der einzelnen Menschenseele sprudelnden Ewigkeitskraft in die Menschheitsevolution ausstrahlt.
Cite:
GA 138/1912-08-30/p010 · edition original