Sechster Vortrag

GA 138/1912-08-30/p015 ·1912-08-30 · original (original)
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In einem Vergleich möchte ich mich darüber aussprechen. Aber indem Sie den Vergleich anwenden auf die ganze Weltenordnung, werden Sie empfinden können, wie Ahriman für sich das, was er gut nennen kann, anstrebt, wie es aber unmöglich ist, dieses Gute in seiner Gesamtheit der Weltenordnung einzufügen. Nehmen Sie irgendein tierisches Wesen, das zu seiner fortschreitenden Entwickelung im Sinnensein sich häuten muß, das von Zeit zu Zeit die Haut ablegen muß wie ein Abbild seiner selbst und in einer neuen Daseinsform weiter fortschreiten muß. Da muß etwas abgestreift werden zu einer neuen Daseinsmöglichkeit des betreffenden Wesens. Ahriman möchte alles retten, möchte keine Schlange sich häuten lassen, sondern alles verarbeiten, was da im Sinne der Weltenordnung abgestreift werden muß. Aber der Mensch möchte das auch im Sinnensein; er möchte vieles nicht lassen, sondern es mitnehmen, trotzdem es im Sinne einer höheren Weltenordnung für das Zeitliche, für den Augenblick bestimmt ist. Und wenn der Mensch es könnte, so würde er - weil der Hang dazu in ihm so stark ist - im Sinnensein immerdar unter all den Fragen, die er nach unbekannten oder sonstigen Wegen stellt, am meisten sich erkundigen: Wo findet man Ahriman, wo kann einem Ahriman wieder helfen, um das, was der Augenblick enthält, in die Ewigkeit hinaufzutragen? Da ist es das eine Gute, daß der Mensch in der Sinneswelt nicht Ahriman finden kann, weil er unsichtbar, übersinnlich in ihr ist. Und dies gehört zu den Obliegenheiten des Hüters der Schwelle, daß Ahriman möglichst stark unsichtbar in der sinnlichen Welt bleibt, so daß der Mensch nur das, was in seinen eigenen Kräften liegt, zur Bewahrung des Augenblickes in der Ewigkeit entfalten kann und sich nicht unbewußterweise von Ahriman helfen lassen kann. Gutes und Schlimmes spielen da wieder als zwei Pole in das Sinnensein des Menschen herein. Der Mensch schreitet als Seele durch die Menschheitsevolution. Eine Aufgabe innerhalb derselben, die gut und echt und wahr ist, ist diejenige, alles, was Ewigkeitswert hat, hinauszutragen aus der Sinneswelt und einzuverleiben dem Reiche der Ewigkeit. Das ist es ja gerade, was uns obliegt: die wertvollen Schätze der Augenblicke zu nehmen und hinzuopfern am Altare der Ewigkeit. Wenn wir uns für die wertvollen Schätze der Zeitlichkeit von Ahriman helfen lassen, so ist das gut. Wenn wir Ahriman in dem Augenblicke, wo wir die übersinnliche Welt betreten - vorher können wir ihn ja nicht sehen -, kennenlernen und ihm den Hang zeigen, der uns noch verblieben sein kann, auch Wertloses aus der Sinneswelt hinaufzutragen in die übersinnliche Welt, dann ist das ja für ihn ein Wertvolles - für seine Gegner ist es ein Wertloses. Da sind wir gute Werkzeuge für ihn, um aus der Sinneswelt in die Ewigkeit überzuleiten, was hier geliebt wird, und was dadurch, daß es von uns geliebt wird, auch seinerseits in diese Ewigkeit hineingestellt wird.

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Cite: GA 138/1912-08-30/p015 · edition original