Dritter Vortrag

GA 139/1912-09-17/p006 ·1912-09-17 · original (original)
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So können wir sagen: Die Bibel scheint zu erzählen, daß Naboth durch die Isebel ermordet wird; aber Isebel kündigt gar nicht an, daß sie Naboth, sondern daß sie Elias ermorden will. Also diese Dinge stimmen gar nicht zusammen. Da setzt nun die okkulte Forschung ein und zeigt, was der Tatbestand ist: daß wir es in Elias zu tun haben mit einem umfassenden Geiste, der gleichsam unsichtbar im Lande des Ahab umgeht, daß aber dieser Geist zuzeiten seinen Einzug hält in die Seele des Naboth, gleichsam die Seele des Naboth durchdringt, so daß Naboth die physische Persönlichkeit des Elias ist, und daß wir, wenn wir von der Persönlichkeit des Naboth zu sprechen haben, von der physischen Persönlichkeit des Elias sprechen. Elias ist die unsichtbare Gestalt im Sinne der Bibel, Naboth sein sichtbarer Abdruck in der physischen Welt. Das alles habe ich in dem Vortrage «Der Prophet Elias im Lichte der Geisteswissenschaft» ausführlich dargestellt. Wenn wir uns aber auf den ganzen Geist des Elias-Werkes einlassen und wenn wir den ganzen Geist des Elias, wie er uns in der Bibel dargestellt ist, auf unsere Seele wirken lassen, so können wir sagen: In Elias tritt uns überhaupt zugleich der Geist des ganzen althebräischen Volkes entgegen. Alles, was das ganze althebräische Volk belebt und durchwebt, ist in dem Geiste des Elias enthalten. Wie den Volksgeist des althebräischen Volkes können wir ihn ansprechen. Er ist zu groß — das zeigt uns gerade die geisteswissenschaftliche Forschung -, um völlig wohnen zu können in der Seele seiner irdischen Gestalt, in der Seele des Naboth. Er umschwebt sie gleichsam wie in einer Wolke, aber er ist nicht nur in Naboth, sondern er geht herum wie ein Naturelement in dem ganzen Lande und wirkt in Regen und Sonnenschein. Das tritt ja deutlich zutage, wenn wir die ganze Beschreibung nehmen, die gleich damit beginnt, daß Trockenheit und Dürre herrscht, wie aber durch dasjenige, was Elias in dem Verhältnis zu den göttlichgeistigen Welten anordnet, der Trockenheit und Dürre und allem, was damals Not des Landes war, Abhilfe geschaffen wird. Wie ein Naturelement, wie ein Naturgesetz selber wirkt er. Und man möchte sagen: Man lernt, was in dem Geist des Elias wirkt, am besten dadurch kennen, daß man den 104. Psalm auf sich wirken läßt mit der ganzen Beschreibung des Jahve oder Jehova als der Naturgottheit, die durch alles hindurchwirkt. Nun ist Elias selbstverständlich nicht mit dieser Gottheit selbst zu identifizieren; er ist das irdische Abbild dieser Gottheit, er ist jenes irdische Abbild, das zugleich die Volksseele des althebräischen Volkes ist. Eine Art differenzierter Jehova, eine Art irdischer Jehova, oder - wie man es im Alten Testament ausdrückt - wie das Antlitz des Jehova ist dieser Geist des Elias.

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Cite: GA 139/1912-09-17/p006 · edition original