Dritter Vortrag
So angesehen, illustriert sich uns die Tatsache noch ganz besonders, daß derselbe Geist, der in dem Elias-Naboth lebt, nun wiedererscheint in Johannes dem Täufer. Wie wirkt er in Johannes dem Täufer? Zunächst, im Sinne der Bibel und namentlich im Sinne des Markus-Evangeliums, wirkt er durch dasjenige, was die Taufe ist. Was ist diese Taufe in Wahrheit? Wozu wird sie eigentlich von Johannes dem Täufer an denjenigen vollzogen, die sich herbeilassen, sie an sich vollziehen zu lassen? Da müssen wir ein wenig auf das eingehen, was durch diese Taufe an den Täuflingen wahrhaft bewirkt worden ist. - Die Täuflinge wurden untergetaucht ins Wasser. Da trat bei ihnen immer das ein, wovon öfter gesprochen worden ist, daß es eintritt, wenn der Mensch durch irgend etwas jenen Schock bekommt, den er durch irgendeine plötzliche Todesdrohung bekommen kann, zum Beispiel, wenn er ins Wasser fällt und dem Ertrinken nahe ist, oder bei einem Absturz im Gebirge. Da tritt eine Lockerung des Ätherleibes ein. Der Ätherleib geht teilweise aus dem physischen Leibe heraus, und die Folge ist, daß dann etwas eintritt, was beim Menschen immer unmittelbar nach dem Tode eintritt: eine Art Rückschau auf das letzte Leben. Das ist eine ganz bekannte Tatsache, die oft beschrieben wird, auch von materialistischen Denkern der Gegenwart. Etwas Ähnliches trat aber auch ein bei der ’Taufe des Johannes im Jordan. Die Leute wurden unter das Wasser getaucht. Das war nicht eine Taufe, wie sie heute gebräuchlich ist, sondern durch die Johannes-Taufe wurde bewirkt, daß der Ätherleib der Menschen sich lockerte und daß die Leute mehr sahen, als sie mit dem gewöhnlichen Verstande begreifen konnten. Sie sahen ihr Leben im Geiste und auch die Einflüsse auf dieses Leben im Geistigen. Und auch das sahen sie, wovon der Täufer lehrte: daß die alte Zeit erfüllt ist und daß eine neue Zeit beginnen müsse. In der hellseherischen Beobachtung, die sie für wenige Augenblicke machen konnten während des Untertauchens bei der Taufe, sahen sie: die Menschheit ist an einem Wendepunkt in der Evolution angekommen; was die Menschen in den alten Zeiten, da sie in der Gruppenseelenhaftigkeit waren, gehabt haben, ist im völligen Aussterben; ganz andere Verhältnisse müssen eintreten. Das sahen sie in ihrem freigewordenen Ätherleibe: Ein neuer Impuls, neue Eigenschaften müssen über die Menschheit kommen.
Cite:
GA 139/1912-09-17/p007 · edition original