Dritter Vortrag

GA 139/1912-09-17/p011 ·1912-09-17 · original (original)
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Außerordentlich charakteristisch ist es, daß zweimal im Markus-Evangelium angedeutet wird, was ich jetzt ausgesprochen habe. Das erstemal wird gesagt: Gleich nach der Verhaftung des Johannes kam Jesus nach Galiläa und verkündete dort die Lehre von den himmlischen Reichen (1, 14). Johannes war also verhaftet, das heißt, seine physische Person war zunächst gehemmt, selbst zu wirken; aber es tritt in die Atmosphäre, die er geschaffen hat, ein die Gestalt des Christus Jesus. Und ein zweites Mal tritt bedeutsam dasselbe auf im Markus-Evangelium, und das ist grandios, daß es ein zweites Mal auftritt. Man muß nur das Markus-Evangelium richtig lesen. Wenn Sie weitergehen bis zum sechsten Kapitel, dann hören Sie die ganze Beschreibung, wie der König Herodes den Täufer Johannes köpfen ließ. Aber sehr merkwürdig: man vermutete mancherlei, nachdem die physische Persönlichkeit des Johannes nicht nur verhaftet, sondern durch den Tod hinweggeräumt war. Einigen scheint es, die Wunderkraft, durch die der Christus Jesus wirkt, komme davon her, weil der Christus Jesus selber der Elias sei — oder einer der Propheten. Aber Herodes hat aus seinem geängstigten Gewissen heraus eine sehr merkwürdige Ahnung. Als er hört, was durch den Christus Jesus alles geschah, sagt er: «Johannes, den ich köpfen ließ, der ist auferweckt.» (6, 16.) Herodes spürt, daß, als Johannes als physische Persönlichkeit weg ist, er jetzt erst recht da ist. Er spürt, daß seine Atmosphäre, seine Spiritualität - und die keine andere ist als die Spiritualität des Elias - da ist. Herodes, aus dem gemarterten Gewissen heraus, merkt, wie Johannes der Täufer, das heißt Elias, da ist. Aber dann wird etwas Sonderbares angedeutet, wie der Christus Jesus kam, gerade in die Gegend kam, wo Johannes der Täufer gewirkt hatte, nachdem dieser seinen physischen Tod gefunden hatte. Da steht eine merkwürdige Stelle, die ich Sie bitte, ganz besonders zu berücksichtigen, über die man nicht hinweglesen darf. Denn im Evangelium sind die Worte nicht bloß Redeschmuck; die Evangelisten schreiben noch keinen journalistischen Stil. Da wird etwas sehr Bedeutsames gesagt. Unter die Schar derer tritt der Christus Jesus, welche die Anhänger und Jünger Johannes des Täufers waren, und das wird ausgedrückt in einem Worte, das man berücksichtigen muß: «Und als er herauskam, sah er eine große Menge», womit nur die Jünger des Johannes gemeint sein können, «und hatte Mitleiden mit ihnen ...» Warum Mitleiden? Weil sie ihren Meister verloren hatten, weil sie dastehen ohne den Johannes, von dem gesagt wird, daß sie kurz vorher seinen enthaupteten Leichnam zu Grabe getragen hatten. Es wird aber noch genauer gesagt: «...denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben, und fing an, sie vieles zu lehren.» (6, 34.) Man kann nicht deutlicher hinweisen auf die Tatsache, wie er die Jünger des Johannes lehrt. Er lehrt sie aus dem Grunde, weil noch der Geist des Elias unter ihnen wirkt, der zugleich des Geist Johannes des Täufers ist. So wird an einer bedeutungsvollen Stelle des Markus-Evangeliums wieder mit dramatischer Kraft darauf hingewiesen, wie in das, was der Geist des RliasJohannes vorbereitet hat, eintritt der Geist des Christus Jesus. Das alles ist aber nur ein Hauptpunkt, um den sich anderes herumgruppiert, das sehr bedeutsam ist. Ich möchte nur auf eines noch aufmerksam machen.

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Cite: GA 139/1912-09-17/p011 · edition original