{"corpus":"steiner","locus":"GA 139/1912-09-17/p013","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Es gibt einen, wenn auch persönlich ausschauenden, aber doch sehr merkwürdigen Beweis für diese Tatsache, einen Beweis, dessen Elemente ich schon in München angedeutet habe. Ich möchte aber doch die Sache hier besprechen, nicht nur um die Persönlichkeit des Täufers, sondern die ganze Wesenheit Elias-Johannes herauszuarbeiten, und möchte deshalb auch den weiteren Fortgang der Seele des Elias- Johannes in Raffael besprechen. Es muß jemand, der dann ehrlich, aufrichtig eingehen will auf das, was Raffael war, schon ganz besondere Gefühle dafür haben. Ich habe aufmerksam gemacht auf den modernen Kunsthistoriker Herman Grimm und gesagt, daß es ihm möglich war, mit einer gewissen Leichtigkeit eine Biographie von Michelangelo zustande zu bringen, daß er aber dreimal darangegangen ist, um eine Art von Lebensbeschreibung von Raffael zustande zu bringen. Und weil Herman Grimm nicht ein gewöhnlicher «Gelehrter» war - ein solcher wird selbstverständlich mit allem fertig -, sondern ein universeller Mensch, der aufrichtig war mit seinem Herzen in bezug auf das, was er ergreifen und erforschen wollte, so mußte er sich gestehen, wenn er wieder etwas fertiggebracht hatte, was ein «Leben Raffaels » sein sollte, daß es doch kein Leben Raffaels war. So mußte er immer wieder ansetzen, und niemals wurde er von seiner Arbeit befriedigt. Kurz vor seinem Tode versuchte er noch einmal — was in seinen nachgelassenen Werken enthalten ist - an Raffael heranzutreten, um ihn so zu erfassen, wie ihn sein Herz erfassen wollte, und schon charakteristisch ist der Titel, den die neue Abhandlung tragen sollte, nämlich «Raffael als Weltmacht». Denn es erschien ihm, daß man, wenn man sich aufrichtig Raffael nähert, ihn gar nicht schildern kann, wenn man ihn nicht als Weltmacht schildern kann, wenn man nicht durchsehen kann auf das, was durch die ganze Weltgeschichte hindurch wirkt. Es ist ganz natürlich, daß ein moderner Schriftsteller, man möchte sagen, mit einer gewissen Unbehaglichkeit seine Worte setzt, wenn er schildern soll so frank und frei, wie die Evangelisten schilderten. Es geniert sich selbst der beste Schriftsteller, da zu Werke zu gehen; aber es ringen ihm die Gestalten, die er zu beschreiben hat, doch oft die entsprechenden Worte ab. Da ist es sehr merkwürdig, wie Herman Grimm in den ersten Kapiteln, die er kurz vor seinem Tode schrieb, über Raffael spricht. Es ist wirklich so, daß man in seinem Herzen etwas ahnen kann von dem Verhältnis einer solchen Gestalt, wie es Elias- Johannes war, wenn er von Raffael spricht, indem er sagt:","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Dritter Vortrag","site_heading":null,"date":"1912-09-17","location":null,"word_count":400,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/139/1912-09-17/p013","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/139/1912-09-17/p013"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/139/1912-09-17/p013","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}