Dritter Vortrag

GA 139/1912-09-17/p027 ·1912-09-17 · original (original)
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Man nimmt ja in der Gegenwart solche Schilderungen, die aus der Vergangenheit gegeben werden, gewöhnlich in einem eigentümlichen Sinne auf. Insbesondere viele der heutigen Naturgelehrten, Monisten, wie sie sich auch nennen, wenn sie Weltanschauungen vertreten wollen, nehmen solche Darstellungen in einem ganz besonderen Sinne auf. Man möchte diesen Sinn dadurch bezeichnen, daß man sagt: Diese guten Gelehrten, diese guten Naturphilosophen haben im geheimen doch ein wenig die Meinung, wenn sie sich auch genieren, sie auszusprechen, daß es besser gewesen wäre, wenn es der Herrgott ihnen überlassen hätte, die Welt einzurichten; denn sie hätten sie doch besser eingerichtet. Nehmen wir einen solchen Naturgelehrten, der darauf schwört, daß die Weisheit erst in den letzten zwanzig Jahren über die Menschheit gekommen ist - und andere rechnen ja nur nach den letzten fünf Jahren, die betrachten das schon als Aberglauben, was vor den letzten fünf Jahren liegt -, so wird er insbesondere tief bedauern, daß, als der Christus Jesus auf Erden wandelte, es noch nicht eine moderne naturwissenschaftliche Medizin mit allen ihren verschiedenen Mitteln gegeben hat; denn es wäre doch gescheiter gewesen, wenn alle diese Menschen - wie zum Beispiel die Schwiegermutter des Simon und auch die anderen- mit den Mitteln der heutigen Medizin hätten geheilt werden können. Denn das wäre nach ihrer Meinung doch ein ganz vollkommener Herrgott, der nach den Begriffen der modernen Naturgelehrten die Schöpfung eingerichtet hätte; der hätte doch die Menschen nicht so lange schmachten lassen nach der modernen Naturgelehrsamkeit. So aber ist doch die Welt, wie sie der Herrgott eingerichtet hat, gegenüber dem, was ein Naturgelehrter gekonnt hätte, etwas verpfuscht. Man sagt es nicht, man geniert sich, es zu sagen; aber zwischen den Zeilen ist es doch da. Man muß nur die Dinge einmal beim rechten Namen nennen, die heute bei den materialistischen Naturgelehrten herumschwirren. So könnte man, wenn man mit einem solchen Herrn vielleicht einmal unter vier Augen sprechen könnte, doch wohl die Meinung hören, eigentlich könnte man schon deshalb gar nicht anders als Atheist sein, weil man sieht, wie wenig es dem Herrgott gelungen ist, die Menschen zur Zeit des Christus Jesus mit den Methoden der modernen Naturwissenschaft zu heilen.

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Cite: GA 139/1912-09-17/p027 · edition original