{"corpus":"steiner","locus":"GA 139/1912-09-17/p028","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Das eine bedenken die Menschen aber nicht: daß sie das Wort Evolution, das sie so oft aussprechen, ernst und ehrlich nehmen müssen, daß alles in der Evolution begriffen sein muß, damit die Welt an ihr Ziel kommen kann, und daß man nicht fragen muß bloß nach dem Plan, den die heutige Naturwissenschaft aufstellen würde, wenn sie eine Welt erschaffen würde. Weil man aber so denkt, weiß man nicht recht, daß die ganze Konstitution des Menschen, die Zusammenfügung der feineren Leiber, früher eine ganz andere gewesen ist. Man hätte damals nichts anfangen können mit den naturwissenschaftlichen Methoden bei der menschlichen Persönlichkeit. Da war der Ätherleib viel wirksamer, viel kräftiger noch, als er heute ist; da konnte man auf dem Umwege durch den Ätherleib ganz anders auf den physischen Leib wirken. Und es bedeutete eine ganz andere Wirkung als heute, wenn man sprechen wir es ganz trocken aus - mit «Gefühlen » heilte, wenn das Gefühl sich ausgoß von dem einen auf den anderen. Als der Ätherleib wirklich noch stärker war und den physischen Leib noch beherrschte, da konnte das, was man psychisch-spirituelle Heilmittel nennt, ganz anders sich betätigen. Die Menschen waren in ihrer Konstitution anders, daher mußte anders geheilt werden. Wenn man das nicht weiß, wird man als Naturgelehrter sagen: An Wunder glauben wir nicht mehr, und was da über die Heilungen gesagt wird, sind eben Wunder, und das muß beseitigt werden. Und wenn man ein heutiger aufgeklärter Theologe ist, dann ist man in einer ganz besonderen Verlegenheit. Da möchte man die Sachen aufrechterhalten, aber man steckt doch voll von dem modernen Vorurteil, daß so nicht geheilt werden kann, daß das «Wunder» seien. Und dann macht man alle möglichen Erklärungen über die Möglichkeit oder Unmöglichkeit der Wunder. Nur eines weiß man nicht: daß alles, was bis zum sechsten Kapitel des Markus-Evangeliums beschrieben wird, für die damalige Zeit überhaupt keine Wunder waren, sowenig wie es ein Wunder ist, wenn heute mit irgendeiner Arznei diese oder jene Funktion des menschlichen Organismus beeinflußt wird. Kein Mensch hätte damals an Wunder gedacht, wenn jemand zu einem Aussätzigen sagte, indem er die Hand ausstreckte: «Ich will es, werde rein!» Das ganze Naturell des Christus Jesus, das da überfloß, war das Heilmittel. Es würde heute nicht mehr wirken, weil heute die Zusammenfügung des menschlichen Ätherleibes und physischen Leibes eine ganz andere ist. Damals aber heilten die Ärzte überhaupt so. Daher ist es bei dem Christus Jesus gar nicht etwas besonders Hervorzuhebendes, daß er die Aussätzigen durch Mitleid und Handauflegen heilte. Das war eine Selbstverständlichkeit für die damalige Zeit. Was in diesem Kapitel hervorgehoben werden soll, ist etwas ganz anderes, und dem muß man richtig ins Auge schauen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Dritter Vortrag","site_heading":null,"date":"1912-09-17","location":null,"word_count":440,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/139/1912-09-17/p028","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/139/1912-09-17/p028"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/139/1912-09-17/p028","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}