Dritter Vortrag

GA 139/1912-09-17/p037 ·1912-09-17 · original (original)
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Sie sehen es gerade einer solchen Stelle an, wie erst, ausgerüstet mit den Mitteln der modernen Geisteswissenschaft, die Bibel verstanden werden kann. Das ist unsere Aufgabe: zu zeigen, wie in diesem Buche, in diesem Weltenbuche wirklich die tiefsten Weistümer über die Menschheitsevolution stehen. Wenn einmal begriffen werden wird, was da kosmisch geschieht auf der Erde - und wir werden es immer mehr und mehr hervorheben gerade im Verlaufe dieser Vorträge, denn dazu gibt das Markus-Evangelium den Anlaß -, welche kosmisch-terrestrische, irdisch-kosmische Bedeutung dieses Mysterium von Golgatha hat, dann wird man niemals mehr finden können, daß das, was in Anlehnung an die Evangelien gesagt werden kann, irgendwie verletzend sein könnte für irgendein anderes Religionsbekenntnis der Welt. Richtige Bibelerkenntnis wird aus den Gründen, die gestern am Schlusse des Vortrages angeführt worden sind, und vor allem auch deshalb, weil richtige Bibelerkenntnis sich wahrhaftig nicht in irgendeiner Konfession einschließen lassen kann, sondern universell werden muß, richtige Bibelerkenntnis wird durch ihre innere Wahrheit auf dem Boden der Geisteswissenschaft stehen und allen Religionsbekenntnissen der Welt gleichen Wert beilegen. Dadurch werden die Religionen versöhnt werden. Und wie ein Anfang zu einer solchen Versöhnung erscheint das, was ich Ihnen im ersten Vortrag sagen konnte über jenen Inder, der den Vortrag «Christus und das Christentum» gehalten hat, wobei er, zwar mit allen Vorurteilen seiner Nation behaftet, aber doch zu dem Christus in einem interkonfessionellen Sinne aufblickte. Daß man versuchen muß, diese Gestalt des Christus zu verstehen, das wird die Aufgabe des geisteswissenschaftlichen Wirkens in den verschiedenen Religionsbekenntnissen sein. Denn mir scheint, die Aufgabe der geistigen Bewegung muß sein eine Vertiefung in die Religionsbekenntnisse, so daß man das innere Wesen der einzelnen Religionen ergreift und vertieft.

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Cite: GA 139/1912-09-17/p037 · edition original