{"corpus":"steiner","locus":"GA 139/1912-09-17/p038","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wieder sei bei dieser Gelegenheit angeführt, was ich schon öfter hinstellte, wie sich ein Buddhist, der Anthroposoph ist, stellen wird zu einem Anthroposophen, der als Anthroposoph Christ ist. Da wird der Buddhist sagen: Der Gotama Buddha hat, nachdem aus dem Bodhisattva ein Buddha geworden ist, nach seinem Tode eine solche Höhe erreicht, daß er nicht wieder auf die Erde zurückzukehren braucht. Und der Christ, der Anthroposoph ist, wird dazu sagen: Ich verstehe es, denn ich glaube es selber von deinem Buddha, wenn ich mich in dein Herz hineinfinde und glaube, was du glaubst. Das heißt, die Religion des anderen verstehen, sich aufschwingen zur Religion des anderen. Der Christ, der Anthroposoph geworden ist, kann alles verstehen, was der andere sagt. Was wird dagegen der Buddhist, der Anthroposoph geworden ist, sagen? Er wird sagen: Ich versuche zu verstehen, was der innerste Nerv des Christentums ist: daß es sich beim Christus um etwas anderes als um einen Religionsstifter handelt, daß es sich beim Mysterium von Golgatha um eine unpersönliche Tatsache handelt, darum handelt, daß nicht ein Mensch Jesus von Nazareth dagestanden hat als Religionsstifter, sondern daß der Christus in ihn eingezogen ist, gestorben ist am Kreuz und so das Mysterium von Golgatha vollzogen hat. Und daß dieses Mysterium von Golgatha eine kosmische Tatsache ist, darauf wird es ankommen. Und der Buddhist wird sagen: Ich werde jetzt nicht mehr mißverstehen, nachdem ich den Wesenskern deiner Religion ergriffen habe, wie du den der meinen, worauf es ankommt, und werde nicht den Christus hinstellen als einen, der wiederverkörpert wird; denn es kommt dir auf das an, was da geschehen ist. Und ich würde sonderbar reden, wenn ich sagen würde, daß das Christentum in irgend etwas verbessert werden müßte, daß man dazumal bei einem besseren Verständnis des Christus Jesus ihn nicht nach drei Jahren ans Kreuz geschlagen hätte, daß man einen Religionsstifter anders behandeln sollte und so weiter. — Darauf kommt es ja gerade an, daß der Christus ans Kreuz geschlagen worden ist und was durch diesen Kreuzestod geschehen ist! Es kommt nicht darauf an, daß man denkt: Da ist ein Unrecht geschehen, und das Christentum könnte heute verbessert werden. Kein Buddhist, der Anthroposoph ist, könnte heute anders sprechen als: Ich versuche, wie du den Wesenskern meiner Religion verstehst, so auch den Wesenskern deiner Religion in Wahrheit zu verstehen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Dritter Vortrag","site_heading":null,"date":"1912-09-17","location":null,"word_count":382,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/139/1912-09-17/p038","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/139/1912-09-17/p038"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/139/1912-09-17/p038","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}