Vierter Vortrag

GA 139/1912-09-18/p018 ·1912-09-18 · original (original)
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Es ist immer nötig zu betonen, daß man zur Wahrheit nur kommt, wenn man in dieser Weise charakterisiert. Es ist leichter zu charakterisieren, wenn man etwa sagen würde: Die Menschheitsevolution geht durch große Führer vorwärts; diese großen Führer verkünden im Grunde genommen immer dasselbe, nur in verschiedenen Formen, und alle einzelnen Menschheitsführer sind in ihren Worten nur Ausgestaltungen des Einen. - Ganz gewiß, wahr ist das schon, aber so trivial als nur möglich. Es kommt darauf an, daß man sich die Mühe gibt, die Dinge zu erkennen, daß man Einheit snd Differenzierung sucht, daß man die Dinge nach ihrer Verschiedenheit charakterisiert und aus dem Verschiedenen erst die höhere Einheit sucht. Diese methodische Bemerkung muß schon einmal gemacht werden deshalb, weil sie ja etwas ist, was in bezug auf geistige Betrachtungen dem Leben überhaupt entspricht. Man kann so leicht sagen: Alle Religionen enthalten nur eines, um sich dann darauf zu verlegen, dieses «Eine » zu charakterisieren und zu sagen: Alle die verschiedenen Religionsstifter haben doch nur verschiedene Ausgestaltungen des Einen gegeben. Aber es ist unendlich trivial, wenn auch dieses Charakterisieren mit noch so schönen Worten geschieht. Man kommt dabei ebensowenig zu etwas, als wenn man zwei solche Gestalten wie Buddha und Sokrates von vornherein bloß nach einer abstrakten Einheit charakterisieren wollte und nicht die polarische Differenzierung suchen würde. Sobald man sie aber auf ihre Gedankenformen zurückführt, werden die Leute bald erkennen, um was es sich handelt. Pfeffer und Salz, Zukker und Paprika sind die Zutaten, die auf dem Tisch stehen für die Speisen; sie sind alle «eins», nämlich Zutaten für die Speisen. Keiner aber wird, weil man sagen kann, diese Dinge sind alle eins, diese einzelnen Zutaten einander gleichstellen und zum Beispiel Pfeffer oder Salz statt Zucker in den Kaffee streuen wollen. Was man so im Leben nicht hinnehmen kann, das sollte man auch im Geistigen nicht hinnehmen. Man sollte es nicht hinnehmen, wenn gesagt wird, Krishna oder Zarathustra, Orpheus oder Hermes seien im Grunde genommen nur verschiedene Ausgestaltungen des «Einen ». Das ist nicht mehr wert für eine ernsthafte und wahrhafte Charakterisierung, als wenn man sagte: Pfeffer und Salz, Zucker und Paprika sind alle verschiedene Ausgestaltungen der einen Wesenheit, der Zutaten zu den Speisen. Es kommt darauf an, daß man solche methodischen Dinge wirklich versteht und nicht das Bequemere hinnimmt für das Wahrhaftige.

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