Fünfter Vortrag

GA 139/1912-09-19/p003 ·1912-09-19 · original (original)
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Wir suchten gestern von einem gewissen Gesichtspunkte aus die welthistorische Stellung des Zeitmomentes ins Auge zu fassen, in welchen hinein das Mysterium von Golgatha fällt. Wir versuchten das in der Weise zu tun, daß wir zwei bedeutsame Menschheitsführer, Buddha und Sokrates, ins Auge faßten, welche beide um einige Jahrhunderte der Tatsache des Mysteriums von Golgatha vorangegangen sind. Uns ist dabei aufgefallen, wie der Buddhadarstellt etwas wie den bedeutungsvollen Abschluß einer Evolutionsströmung. Da steht er, dieser Buddha, im sechsten bis fünften Jahrhundert vor dem Mysterium von Golgatha, verkündend, was seither bekannt ist als die tief bedeutsame Lehre, die Offenbarung von Benares, gleichsam zusammenfassend und in einer bestimmten Weise erneuernd, was in die Menschenseelen hat fließen können seit Jahrtausenden der uralten Vorzeit, und es in einer Art verkündend, wie es eben verkündet werden mußte ein halbes Jahrtausend vor dem Mysterium von Golgatha und wie es verkündet werden mußte denjenigen Völkern, denjenigen Rassen, für welche die Lehre gerade in dieser Form am geeignetsten war. Inwiefern Buddha der große Abschluß einer Weltenströmung ist, das fällt noch mehr in die Augen, wenn man seinen großen Vorgänger ins Auge faßt, der in einer gewissen Weise schon zurückfällt in ein Dämmerdunkel der Menschheitsentwicklung: Krishna, den großen indischen Lehrer, der uns in einem ganz anderen Sinne noch wie der Endpunkt jahrtausendealter Offenbarungen erscheint.

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