Fünfter Vortrag

GA 139/1912-09-19/p025 ·1912-09-19 · original (original)
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Die Menschen denken, was für den Alltag gültig ist, müsse auch für die höchsten Dinge so sein. Sie denken nicht daran, daß es gerade für die höchsten Dinge das Charakteristische sein muß, daß man nicht mehr so fragen kann. Denn man muß ja, wenn man von dem einen zum andern, von dem Löwen zum Raubtier usw. hinaufkommt, doch einmal zu etwas kommen, was man nicht mehr so beschreiben kann, wo es keinen Sinn mehr hat zu fragen: Was ist dies? Denn wenn man so fragt, will man zu dem Subjekt ein Prädikat haben. Aber es muß einmal ein höchstes Wesen geben, das sich durch sich selbst erfassen läßt. Die Frage: Was ist Gott? ist ganz sinnlos im logischen Sinne. Man kann alles heraufführen bis zum Höchsten; aber dem Höchsten darf kein Prädikat zugefügt werden, denn dann erfolgt als Antwort: Gott ist ...; dann müßte aber das, wodurch Gott beschrieben ist, das Höhere sein. Das wäre der kurioseste Widerspruch, den es gibt.

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Cite: GA 139/1912-09-19/p025 · edition original