Sechster Vortrag
Das ist anders, wenn wir das einzelne Menschenleben betrachten. Wir gliedern ja auch das Menschenleben, wie Sie alle wissen, in aufeinanderfolgende, sich wiederholende Perioden. Wir unterscheiden eine solche Periode von der Geburt bis zum Abschluß der Zahnung, das heißt bis zum siebenten Jahr ungefähr, dann eine Periode vom siebenten bis zum vierzehnten Jahr, bis zur Geschlechtsreife, dann eine vom vierzehnten bis zum einundzwanzigsten Jahr usw. Kurz, wir unterscheiden im einzelnen Menschenleben siebenjährige Perioden. Wir können schon sagen, daß sich in diesen siebenjährigen Perioden gewisse Dinge wiederholen. Aber viel mehr in die Augen springend als die bloße Wiederholung ist etwas anderes, nämlich die fortschreitende Veränderung, der Fortschritt selber, der da vorgegangen ist. Denn ganz anders ist die menschliche Wesenheit in der zweiten siebenjährigen Periode als in der ersten, und wieder anders ist sie in der dritten. Wir können nicht sagen: wie die Pflanze sich in der Pflanze wiederholt, so würde sich in der zweiten siebenjärigen Periode ebenso wiederholen der Mensch der ersten siebenjährigen Periode und so weiter. Da sehen wir im Menschenleben die Zeit in ihrem Fortschreiten eine reale Rolle spielen. Sie bedeutet etwas.
Cite:
GA 139/1912-09-20/p006 · edition original