{"corpus":"steiner","locus":"GA 139/1912-09-20/p018","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Betrachten wir das Kind. Da werden wir sehen, daß bei ihm das Natürliche überwiegt. Die Bedürfnisse des Leibes überwiegen zunächst. Das Seelische steckt noch drinnen im Leibe, es will noch nicht ganz heraus. Wohlsein des Leibes wird bewirkt durch angenehme Eindrücke der Außenwelt. Unangenehme, peinliche Eindrücke der AuBenwelt äußern sich auch in den seelischen Äußerungen des Kindes. Dann wächst der Mensch heran. Durch das, was sich in ihm natürlich entwickelt, gewinnt allmählich das Seelische die Oberhand, und wir treten in ein Lebensalter ein - es wird bei den verschiedenen Menschen verschieden liegen, aber im wesentlichen ist es so in den Zwanzigerjahren -, da wird der Mensch so recht herausbringen, was seelisch in ihm ist. Da wird zurücktreten, was rein körperliche Schmerzen und Bedürfnisse sind; die seelische Konfiguration kommt besonders heraus. Dann tritt die Zeit ein, wo der Mensch geeigneter wird, dieses Seelische, das in ihm selbst ist, mehr in den Hintergrund treten zu lassen. Das dauert wieder beim einen länger, beim andern kürzer. Vielleicht bleibt einer auch ganz dabei, dieses ihm eigentümliche Seelische sein ganzes Leben hindurch festzuhalten. Aber es ist doch auch anderes vorhanden, wenn auch der Mensch oft in den Zwanzigerjahren so recht herausstellt, was er ist, daß es ihm vorkommt, als hätte die Welt nur gewartet auf das spezifische Seelische, das er hat. Insbesondere, wenn jemand starke geistige Anlagen hat, kommt dies heraus, so zum Beispiel, wenn jemand besondere philosophische Anlagen hat. Da zeigt es sich dann so, als ob die Welt nur darauf gewartet hätte, bis er kommt und das richtige philosophische System aufstellt, denn nur sein Seelisches ist dafür geeignet. Aber es kann auch das Richtige und Gute dabei herauskommen. Dann kommt die Zeit, in welcher man beginnt, das zu sehen, was die Welt durch andere hergeben kann, wo man anderes durch sich sprechen läßt, wo man aufnimmt, was bisher geleistet worden ist.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Sechster Vortrag","site_heading":null,"date":"1912-09-20","location":null,"word_count":308,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/139/1912-09-20/p018","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/139/1912-09-20/p018"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/139/1912-09-20/p018","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}