Siebenter Vortrag
Wer in den Mysterien der verschiedenen Völker initiiert worden ist, hatte in einer gewissen Weise dasselbe durchgemacht. Er wurde gebracht zu Leiden, zu einem dreitägigen, man möchte sagen, scheinbaren Tod, wo sein Geist außerhalb seines Leibes in den spirituellen Welten weilte, wo dann sein Geist wieder zurückgebracht wurde in seinen Leib, so daß der Geist in dem Leib sich erinnern konnte an das, was er in der geistigen Welt durchgemacht hatte, und er als ein Bote auftreten konnte für die Geheimnisse der geistigen Welt. Man kann also sagen, ein Hingehen zum Tode, wenn auch nicht zu dem Tode, der den Geist vollständig, sondern der ihn nur für eine Zeit vom physischen Leibe trennt, das ist die Initiation. Ein Verweilen außerhalb des Leibes und ein Zurückkehren in den physischen Leib und dadurch ein Bote werden der göttlichen Geheimnisse, das ist die Initiation. Sie vollzog sich nach sorgfältiger Vorbereitung, nachdem der Betreffende in die Lage gekommen war, in sich die Kräfte der Seele so verdichtet zu haben, daß er in diesen dreieinhalb Tagen leben konnte, ohne die Instrumente seines physischen Leibes zu gebrauchen. Dann aber, nach diesen dreieinhalb Tagen, mußte er sich wieder mit seinem physischen Leib vereinigen. Er hatte also sozusagen durch Entrückung in eine höhere Welt, abseits von den gewöhnlichen historischen Ereignissen, das durchgemacht.
Cite:
GA 139/1912-09-21/p009 · edition original