Siebenter Vortrag

GA 139/1912-09-21/p024 ·1912-09-21 · original (original)
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Es ist schwer, sich ganz über diese Dinge klarzuwerden; aber es gibt eine Möglichkeit, auch heute diesen Unterschied zu erleben. Nehmen Sie irgendein Philosophiebuch, irgendeine Darstellung eines philosophischen Systems der westlichen Philosophie in die Hand. Was heute ernsthaft als Philosophie bezeichnet werden kann, wie ist es meistens errungen? Wenn Sie in die Werkstätte eines Menschen, der als ernster Philosoph bezeichnet werden kann, hineinschauen, so können Sie sehen, wie durch Anstrengung der logischen Urteilskraft, des logischen Denkens diese Systeme gewonnen sind. Das alles ist nach und nach gebildet. Und die, welche so Philosophie machen, können eigentlich nicht verstehen, daß man das, was sie da von Begriff zu Begriff weben, in gewisser Beziehung auch hellseherisch schauen kann, daß man das hellseherisch vor sich hat. Daher ein so schwieriges Sichverständlichmachen, wenn man, man möchte sagen, mit einem Schlage gewisse Philosopheme, die sonst «im Schweiße des Angesichts» von Idee zu Idee gewoben werden, hellseherisch überschaut und nicht nötig hat, alle die einzelnen Gedankenschritte zu machen. So gleichsam hellseherisch geschaute Begriffe sind die Begriffe der Vedantaphilosophie. Sie sind nicht im Schweiße des Angesichts nach dem Beispiel der europäischen Philosophen erworben, sondern hellseherisch heruntergebracht, sind eben die letzten Überreste, die in die abstrakten Begriffe hinein verdünnten Reste des alten Hellsehens oder die ersten durch Yoga errungenen, noch dünnen Eroberungen in der übersinnlichen Welt.

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