{"corpus":"steiner","locus":"GA 139/1912-09-21/p025","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Anderes aber haben die mehr westlich wohnenden Menschen durchgemacht. Da blicken wir auf eigenartige, wichtige innere Geschehnisse der Menschheitsevolution. Nehmen wir einen merkwürdigen Philosophen des sechsten Jahrhunderts der vorchristlichen Zeitrechnung: Pherekydes von Syros. Ein merkwürdiger Philosoph! Ein Philosoph, den die heutigen Philosophen nicht als Philosophen gelten lassen. Es gibt heute Philosophiebücher, die sagen das tatsächlich. Ich zitiere da zwei Worte wörtlich: Nun ja, das ist alles kindliche Schilderung, kindliche Symbole; «kindlich und genial» sagt einer heute, der sich ganz besonders erhaben dünkt über jenen alten Philosophen. Also ein halbes Jahrtausend vor der christlichen Zeitrechnung taucht da in Syros ein merkwürdiger Denker auf. Allerdings stellt er anders dar als die übrigen Denker, die man dann später Philosophen nennt. Pherekydes von Syros sagt zum Beispiel: Es liegt dem, was man in der Welt sieht, ein Dreifaches zugrunde: Chronos, Zeus, Chthon. Aus Chronos gehen hervor das luftige, das feurige und das wässerige Element. Und mit alledem, was aus diesen drei Mächten hervorgeht, kommt eine Art Schlangenwesenheit in Streit, Ophioneus. - Alles, was er schildert, man kann es, wenn man seiner Schilderung auch ohne Hellsehen, sondern nur mit etwas Phantasie begabt, nachgeht, vor sich sehen: Chronos, nicht nur als die abstrakt verfließende Zeit, sondern als Wesenheit, als wirkliche Wesenheit, erschaubar gestaltet; ebenso Zeus, den unendlichen Äther, als die in sich belebte Allwesenheit; Chthon, dasjenige, wodurch das sonst Himmlische irdisch wird, was das im Raume auseinander Gewobene zusammenzieht im Planeten Erde, um ein irdisches Dasein zu haben; das alles sich irdisch abspielend; dann, sich hineinmischend wie ein feindliches Element, eine Art Schlangenwesenheit. Wenn man dem nachgeht, was da der merkwürdige Pherckydes von Syros schildert, so braucht man Geistesforschung, um das zu verstehen; denn er ist ein letzter Nachzügler des alten Hellsehens. Er sieht die Welt der Ursachen hinter der Sinneswelt und beschreibt diese Ursachen mit seinem hellseherischen Vermögen. Das gefällt natürlich denen, die nur in Begriffen wirtschaften, gar nicht. Er schaut das lebendige Weben der guten Götter und das Hineinspielen der feindlichen Mächte, die er schildert, wie man sie hellseherisch schaut. Er sieht, wie geboren werden aus Chronos, aus der realen Zeit, die Elemente.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Siebenter Vortrag","site_heading":null,"date":"1912-09-21","location":null,"word_count":349,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/139/1912-09-21/p025","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/139/1912-09-21/p025"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/139/1912-09-21/p025","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}