Zehnter Vortrag
Wir haben gestern gesehen, wie von dem gemeinsamen Zusammenleben der auserwählten Jünger des Christus Jesus mit diesem selbst ein Stück herausfällt im Markus-Evangelium. Und dementsprechend ist ja auch in den anderen Evangelien dieses deutlich angedeutet. Es haben also die Ereignisse, die da verfließen von der Auslieferung ab, also das Richten, Verurteilen und Kreuzigen des Christus Jesus gerade die ihm Nahestehenden nicht mitgemacht. Dieses ist wieder ein Zug im Evangelium, der mit großer Absichtlichkeit zum Ausdruck kommt. Es soll gewissermaßen dies zum Ausdruck kommen, wie der Weg der Menschen beschaffen sein soll zum Verständnisse des Mysteriums von Golgatha und wie die Menschen in der Folgezeit, das heißt also, nachdem das Mysterium von Golgatha sich vollzogen hat, zu dem Verständnisse dieses Mysteriums kommen können. Dieses Verständnis soll nämlich in einer ganz anderen Weise errungen werden als irgendein anderes Verständnis einer geschichtlichen Tatsache der Menschheitsevolution. Wie es sich damit verhält, das sehen wir am besten aus dem, was sich gerade in unserer Zeit am deutlichsten abgespielt hat.
Cite:
GA 139/1912-09-24/p003 · edition original