Zehnter Vortrag

GA 139/1912-09-24/p004 ·1912-09-24 · original (original)
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Seit dem achtzehnten Jahrhundert wird von den verschiedensten Gesichtspunkten aus, man möchte sagen, für das moderne Bewußtsein eine Art Stütze des Glaubens an das Mysterium von Golgatha gesucht. Mannigfaltige Phasen hat dieses Suchen durchgemacht. Bis ins achtzehnte Jahrhundert herein ist im Grunde genommen wenig darnach gefragt worden, wie die historischen Dokumente - die historischen Dokumente in dem Sinne, wie man von solchen Dokumenten spricht beschaffen sind, die das Dasein des Christus Jesus bekräftigen können. Es war zu sehr in den menschlichen Seelen, auf die es ankam, dasjenige lebendig, was als Wirkung von dem Mysterium von Golgatha ausgegangen war. Man hatte sozusagen zu deutlich gesehen, was als Wirkung durch die Jahrhunderte an den Namen des Christus Jesus sich anknüpfte, als daß man nötig gehabt hätte zu fragen: Bezeugt irgendein Dokument, daß der Christus Jesus da war? Für die, welche überhaupt zu dem Christus Jesus sich bekannten, war sein Dasein eben ganz selbstverständlich, und ebenso selbstverständlich war — viel mehr, als man heute glaubt — das Festhalten an der zugleich menschlichen und zugleich übermenschlichen geistig-göttlichen Wesenheit des Christus Jesus.

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Cite: GA 139/1912-09-24/p004 · edition original