{"corpus":"steiner","locus":"GA 14/ga014-2_scene05","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/14/ga014-2_scene05","ga":"14","lecture":"ga014-2_scene05","lecture_number":null,"title":"Die Prüfung der Seele — Fünftes Bild","site_heading":null,"date":null,"location":null,"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"passage_count":9,"word_count":2633,"translation_credit":null,"witnesses":[{"lang":"de","edition":"original","is_original":true,"is_default_edition":true,"first_passage":1,"last_passage":9,"passage_count":9,"word_count":2633},{"lang":"en","edition":"APC1925","is_original":false,"is_default_edition":true,"first_passage":1,"last_passage":45,"passage_count":45,"word_count":3164,"completeness":{"ratio":1.2,"band":"comparable","note":null}}],"passages":[{"locus":"GA 14/ga014-2_scene05/p001","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/14/ga014-2_scene05/p001","passage_number":1,"word_count":3,"text":"## GA 14"},{"locus":"GA 14/ga014-2_scene05/p002","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/14/ga014-2_scene05/p002","passage_number":2,"word_count":352,"text":"Eine Landschaft, in welcher sich das einsame Haus Baldes befindet. Abendstimmung. Frau Bälde, Capesius, dann Felix Bälde; \nspäter Johannes und dessen Doppelgänger, hernach Lucifer und \nAhriman. \nCAPESIUS (ankommend und sich einer Bank nähernd vor Baldes Haus, auf welcher Frau Bälde sitzt): \nErlaubt ihr wohl, daß euer alter Freund \nEin wenig weilen darf bei euch? \nEr braucht jetzt mehr als je vorher, \nWas er so oft in eurem Hause fand. \nFRAU BÄLDE: \nSchon als ich euch von ferne kommen sah, \nErzählten eure müden Schritte mir \nUnd, da ihr näher tratet, euer Auge auch, \nDaß Leid in eurer Seele heute wohnt. \nCAPESIUS (der sich gesetzt hat): \nViel Heiterkeit in euer Heim zu bringen, \nEs war auch sonst mir nicht gegeben; \nDoch heute bitt' ich um besondre Nachsicht, \nWenn ich mit meinem friedelosen Herzen \nDas Heim des Friedens überfalle. \nFRAU BÄLDE: \nIhr wäret damals schon so gerne hier gesehen, \nAls kaum ein andrer Mensch \nIn dieses Hauses Nähe kam. -\nTrotz manchem, was sich zwischen uns gestellt, \nSeid ihr uns Freund geblieben, \nAuch jetzt, da unsre weltenferne Stätte \nGar mancher gerne sucht. \nCAPESIUS: \nSo ist denn wahr, was ich gehört, \nDaß euer lieber Felix, \nDer vordem so verschlossen war, \nIn diesen Tagen ist geworden \nEin vielgesuchter Mann? \nFRAU BÄLDE: \nAch ja, der gute Felix \nVerschloß uns einst vor aller Welt —. \nUnd jetzt muß er so vielen Leuten Rede stehn. \nAls seine Pflicht erscheint dies neue Leben ihm. \nIn frühern Tagen wollte er \nDem eignen Innern nur vertraun, \nWas Wald und Fels ihm offenbarten \nVon Geistestaten und Naturgewalten. \nAuch schien es früher keinem Menschen wissens-\n[wert. \nWie hat die Zeit sich doch verändert! \nEs hören jetzt recht viele Menschen \nGar gierig auf die Wissenschaft, \nDie Felix ihnen offenbaren kann \nUnd die sie vorher doch nur töricht fanden. \nUnd wenn mein lieber guter Mann \n(Felix Bälde kommt aus dem Haus.) \nOft stundenlang erzählen muß, \nDann sehn' ich mich nach alten Zeiten, \nIn denen Felix mir so ernst bedeutet hat, \nWie nur im stillen Herzen tragen soll \nDie Seele ihre Geistesgaben, \nDie ihr aus Götterreichen \nIn Gnade sind verliehn -, \nUnd daß Verräter wird am hohen Geistesworte,"},{"locus":"GA 14/ga014-2_scene05/p003","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/14/ga014-2_scene05/p003","passage_number":3,"word_count":361,"text":"Wer solchem Ohr es offenbart, \nDas nur der Sinnenwelt erschlossen ist. \nFELIX BÄLDE: \nFelicia kann nur recht schwer sich finden \nIn unser ganz verändert Leben; \nSie hat die alte Einsamkeit beklagt \nUnd klagt nicht minder jetzt, \nDa wir so manchen Tag nur wenig Stunden \nNoch für uns selber haben. \nCAPESIUS: \nUnd was hat euch bewogen, \nDas früher so verschloßne Haus \nDen Menschen gastlich zu eröffnen? \nFELIX BÄLDE: \nGehorsam folgte ich der Geistesführung, \nDie mir im Herzen spricht, \nAls sie zu schweigen mir gebot. \nUnd jetzt, da sie mich reden heißt, \nWill ich ihr gleich ergeben sein. \nDer Menschheit Wesen ändert sich \nIm Werdegang des Erdenseins. \nAn einem Zeitenwendepunkte stehen wir. \nEs muß ein Teil der Geist-Erkenntnis \nErschlossen werden allen Menschen, \nDie ihr Gemüt ihr öffnen wollen. — \nIch weiß, wie wenig meine Art entspricht \nDen Formen, die man heute gelten läßt. \nUm auszusprechen, was im Geiste lebt, \nVerordnet man die strengste Logik und GedankenSie werden meinen Reden abgesprochen, [fügung. \nMan sagt, daß wahrer Wissenschaft, \nDie nur auf festen Stützen ruhen soll, \nMein Wesen bloß als Beispiel gelten kann, \nWie Menschenseelen träumen, \nWenn sie, der Wissenschaft und Bildung fremd, \nAuf eignen Wegen Weisheit suchen; \nDoch sei es wertvoll, meinen manche, \nWie durch die Wirrnis meiner Worte \nZuweilen etwas zu entdecken ist, \nDas mit Vernunft sich fassen läßt. \nIch bin ein Mann, dem ohne Kunst \nIns Herz muß strömen, \nWas sich ihm offenbaren mag. \nIch kenne nicht ein Wissen ohne Worte. -\nWenn ich in Herzenstiefen Einkehr halte \nUnd auch, wenn ich Natur belausche, \nSo lebt in mir das Wissen, \nDas Worte nicht erst suchen muß : \nDie Sprache ist ihm so verbunden \nWie seine Leibesform dem Erdenmenschen. -\nEin Wissen, das in dieser Art \nAus Geisteswelten sich uns offenbart, [verstehn. \nIst nützlich auch den Menschen, die es nicht \nEs soll deshalb ein jeder zu mir kommen dürfen, \nDer hören will, was ich zu sagen habe. \nIch weiß recht gut, wie nur die Neugierd' \nUnd andre wenig gute Gründe viele leiten. \nAuch wenn die Seelen solcher Menschen \nIn dieser Erdenzeit noch nicht ergriffen werden: \nEs wird das Gute in sie eingepflanzt \nUnd wird in ihnen weiterwirken. \nCAPESIUS: \nIch möchte offen mit euch sprechen."},{"locus":"GA 14/ga014-2_scene05/p004","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/14/ga014-2_scene05/p004","passage_number":4,"word_count":326,"text":"Seit vielen Jahren muß ich euch bewundern. \nDoch war auch mir bis jetzt der Sinn verschlossen, \nDer euren sonderbaren Worten eigen ist. \nFELIX BÄLDE: \nEr wird sich euch gewiß erschließen. \nIhr strebt mit gutem Geist und edlem Herzen; \nDa müssen auch die Zeiten kommen, \nWo ihr der Wahrheit Stimme hört. \nIhr achtet nicht, wie inhaltreich \nDer Mensch als Bild der Weltenreiche ist. \nSein Haupt, es ist des Himmels Spiegelbild; \nDurch seine Glieder wirken Sphärengeister; \nIn seiner Brust bewegen Erdenwesen sich; \nUnd allen stehn entgegen, machtvoll ringend, \nDämonen aus dem Mondbereich, \nDie jener Wesen Ziele kreuzen müssen. \nWas als ein Menschenwesen vor uns steht, \nWas als die Seele wir erleben, \nWas als der Geist uns leuchtet: \nEs schwebte vielen Göttern vor seit Ewigkeiten, \nUnd ihre Absicht war, \nAus allen Welten Kräfte zu verbinden, \nDie im Verein den Menschen bilden. \nCAPESIUS: \nFast ängstlich werde ich bei diesem Wort, \nDas kühn als aller Götter Leistung \nDes Menschen Wesenheit betrachten will. \nFELIX BÄLDE: \nDarum ist höchste Demut jenem nötig, \nDer Geisteswissenschaft erlangen will. \nUnd wer in Hochmut und in Eitelkeit \nSich selbst erkennen will, \nDem öffnen sich die Wissenspforten nicht. \n(Felix Bälde geht ins Haus.) \nCAPESIUS: \nWie schon so oft wird mir auch dieses Mal \nDie liebe Frau Felicia wohl helfen, \nDaß meine Seele sich zum Bilde wende \nUnd, an dem Bild erwärmend, eure Worte \nIn rechter Art zu fassen fähig wird. \nFRAU BÄLDE: \nEs hat der liebe Felix \nMir öfter schon die Worte wiederholt, \nDie er soeben sprach. \nSie lösten aus dem Herzen mir \nEin Bild, von dem ich mir schon immer sagte, \nIch müßt' es euch erzählen. \nCAPESIUS: \nO tut es, liebe Frau —, \nMich dürstet nach Erquickung \nAus eurem Bilderschatze. \nFRAU BÄLDE: \nEs sei . \nEs war einmal ein Knabe, \nDer wuchs als armer Förstersleute einzig Kind \nIn Waldeseinsamkeit heran. -\nEr lernte außer seinen Eltern \nNur wenig Menschen kennen. \nEr war von schwachem Gliederbau: \nDurchscheinend fast war seine Haut. \nMan konnte lang ins Aug' ihm schaun;"},{"locus":"GA 14/ga014-2_scene05/p005","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/14/ga014-2_scene05/p005","passage_number":5,"word_count":348,"text":"Es barg die tiefsten Geisteswunder. \nUnd wenn auch wenig Menschen nur \nDes Knaben Lebenskreis betraten, \nEs fehlte ihm an Freunden nicht. \nWenn in den nahen Bergen \nErglühte golden Sonnenhelle, \nDann sog des Knaben sinnend Auge \nDas Geistesgold in seine Seele ein: \nUnd seines Herzens Wesen, \nEs ward so morgensonnengleich. -\nDoch wenn durch finstre Wolken \nDer Morgensonne Strahl nicht drang \nUnd düstre Stimmung alle Berge überzog, \nDa ward des Knaben Auge trüb \nUnd wehmutvoll sein Herz —. \nSo war er hingegeben ganz \nDem Geistesweben seiner engen Welt, \nDie er nicht fremder fühlte seinem Wesen \nAls seines Leibes Glieder. \nEs waren ihm ja Freunde auch \nDes Waldes Bäume und die Blumen; \nEs sprachen Geisteswesen aus den Kronen, \nDen Kelchen und den Wipfeln -, \nVerstehen konnte er ihr Raunen —. \nGeheimer Welten Wunderdinge \nErschlossen sich dem Knaben, \nWenn seine Seele sich besprach \nMit dem, was leblos nur \nDen meisten Menschen gilt. \nUnd sorgend oft vermißten abendlich \nDie Eltern den geliebten Sprossen. -\nAn einem nahen Orte war er dann, \nWo aus den Felsen eine Quelle drang \nUnd tausendfach zerstäubend \nDie Wassertropfen über Steine sprengte. \nWenn Mondeslichtes Silberglanz \nIn Farbenfunkelspielen zauberhaft \nSich spiegelt' in des Wassers Tropfenstrom, \nDa könnt' der Knabe stundenlang \nAm Felsenquell verharren. \nUnd Formen, geisterhaft gebildet, \nErstanden vor dem Knabenseherblick \nIm Wassertreiben und im Mondenlichtgeflimmer. \nZu dreien Frauenbildern wurden sie, \nDie ihm von jenen Dingen sprachen, \nNach denen seiner Seele Trieb gerichtet. -\nUnd als in einer milden Sommernacht \nDer Knabe wieder an der Quelle saß, \nErgriff der Frauen eine viele tausend Stäubchen \nDes bunten Wassertropfenwesens \nUnd reichte sie der zweiten Frau. \nDie formte aus den Tropfenstäubchen \nEin silberglänzend Kelchgefäß \nUnd reichte es der dritten Frau. \nDie füllte es mit Mondessilberlicht \nUnd gab es so dem Knaben. \nDer hatte alles dies geschaut \nMit seinem Knabenseherblick. -\nIhm träumte in der Nacht, \nDie dem Erlebnis folgte, \nWie er beraubt des Kelches \nDurch einen wilden Drachen ward. -\nNach dieser Nacht erlebte jener Knabe \nNur dreimal noch das Queüenwunder. \nDann blieben ihm die Frauen fort, \nAuch wenn der Knabe sinnend saß \nAm Felsenquell im Mondensilberlicht. -\nUnd als dreihundertsechzig Wochen"},{"locus":"GA 14/ga014-2_scene05/p006","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/14/ga014-2_scene05/p006","passage_number":6,"word_count":338,"text":"Zum drittenmal verstrichen waren, \nWar längst der Knabe Mann geworden \nUnd von dem Elternhause und dem Waldesgrund \nIn eine fremde Stadt gezogen. \nDa sann er eines Abends, \nVon harter Arbeit müde, \nWas ihm das Leben wohl noch bringen möge. \nEs fühlte sich der Knabe plötzlich \nNach seinem Felsenquell entrückt; \nUnd wieder konnte er die Wasserfrauen schauen \nUnd dieses Mal sie sprechen hören. \nEs sagte ihm die erste: \nGedenke meiner jeder Zeit, \nWenn einsam du dich fühlst im Leben. \nIch lock* des Menschen Seelenblick \nIn Ätherfernen und in Sternenweiten. \nUnd wer mich fühlen will, \nDem reiche ich den Lebenshoffnungstrank \nAus meinem Wunderbecher. -\nUnd auch die zweite sprach: \nVergiß mich nicht in Augenblicken, \nDie deinem Lebensmute drohen. \nIch lenk' des Menschen Herzenstriebe \nIn Seelengründe und auf Geisteshöhn. \nUnd wer die Kräfte sucht bei mir, \nDem schmiede ich die Lebensglaubensstärke \nMit meinem Wunderhammer. -\nDie dritte ließ sich so vernehmen: \nZu mir erheb' dein Geistesauge, \nWenn Lebensrätsel dich bestürmen. \nIch spinne die Gedankenfäden \nIn Lebenslabyrinthen und in Seelentiefen. \nUnd wer zu mir Vertrauen hegt, \nDem wirke ich die Lebensliebesstrahlen \nAuf meinem Wunderwebestuhl. \nEs träumt* in jener Nacht, \nDie dem Erlebnis folgte, \nDem Manne, daß ein wilder Drache \nIn Kreisen um ihn her sich schlich -\nUnd nicht ihm nahen konnte: \nEs schützten ihn vor jenem Drachen \nDie Wesen, die er einst am Felsenquell geschaut \nUnd die aus seiner Heimat \nMit ihm zum fremden Ort gezogen waren. \nCAPESIUS: \nHabt Dank, ihr liebe Frau, \nIch gehe reichbeschenkt von euch. \n(Steht auf und geht. Frau Bälde geht ins Haus.) \n(Capesius allein in einiger Entfernung, das Folgende sprechend.) \nCAPESIUS: \nIch fühle, wie gesundend solch ein Bild \nIn meiner Seele wirkt, und allem Denken \nVerlorne Kräfte wiedergeben kann. \nEs war so einfach, was die Frau erzählte, \nUnd doch erregt es mir Gedankenkräfte, \nDie mich in unbekannte Welten tragen. — \nIch will in dieser schönen Einsamkeit \nDem Träumen mich ergeben, das so oft \nGedanken meiner Seele schenken wollte, \nDie wohl weit besser sich erwiesen haben \nAls manche Früchte wochenlangen Grübelns. \n(Er verschwindet hinter einem dichten Gesträuch.)"},{"locus":"GA 14/ga014-2_scene05/p007","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/14/ga014-2_scene05/p007","passage_number":7,"word_count":345,"text":"JOHANNES (erscheint in tiefes Nachdenken verloren in derselben Waldgegend): \nWar's Traum, war's Wirklichkeit ? \nIch kann es nicht ertragen, was die Freundin \nIn milder Ruhe, doch so ernst, \nVon unsrer Trennung sprach. \nO könnte ich nur denken, daß Vernunft, \nDem Geistestriebe widersetzlich, \nSich zwischen sie und mich \nAls Trugbild stellen wollte. -\nIch kann nicht - ich will sie nicht befolgen, \nDie Mahnung, die Maria fand, \nZu übertönen meiner Seele Stimme, \nDie unaufhörlich spricht «Ich liebe sie», -\nUnd meine Liebe ist mir Quelle \nDes Wirkens, das allein ich kennen will. \nWas ist mir aller Schaffenstrieb, \nWas Ausblick zu den hohen Geisteszielen, \nWenn sie das Licht mir rauben wollen, \nDas mir das Sein beleuchten kann? -\nIn diesem Lichte muß ich leben dürfen; \nUnd wird es mir genommen, \nSo will ich nur den Tod für Ewigkeiten. \nIch fühle, wie die Kraft mir schwindet, \nWenn ich versuchen will zu denken: \nIch müßt' auf Wegen wandeln, \nDie nicht von ihrem Licht beleuchtet sind. \nEs webt sich mir vor Augen \nEin Nebel, der die Wunder, \nDie herrlich diese Wälder, diese Felsen \nMir sonst vor Augen malten, \nIn Wirrnis mir verwandelt \nEin wilder Traum entsteigt dem Abgrund \nO wie er schaurig mich durchrüttelt — \nO weiche von mir —! \nIch lechze nach der Einsamkeit, \nDie mir die eignen Träume lassen will; \nIn ihnen darf ich noch erstreben, \nWas mir verloren scheint — \nEr will nicht weichen ! \nSo will ich ihm entfliehen -\n(Fühlt sich wie am Boden festgehalten.) \nO welche Fesseln halten mich \nAn diesen Ort geschmiedet! \n(Der Doppelgänger des Johannes Thomasius erscheint.) \nAch , \nWer du auch bist, \nOb menschlich Blut in deiner Form sich birgt, \nOb geistig nur dein Sein -\nVerlasse mich \nWer ist es ? \nEin Dämon stellt mich vor mich selber hin. — \nEr will nicht weichen ; \nEs ist das Bild des eignen Wesens -, \nEs scheint selbst stärker noch \nAls dieses Wesen selbst zu sein \nDER DOPPELGÄNGER: \nIch liebe dich, Maria ... \nMit pochendem Herzen, \nMit fieberndem Blute \nNur kann ich vor dir stehn. -\nUnd wenn dein Blick mich trifft,"},{"locus":"GA 14/ga014-2_scene05/p008","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/14/ga014-2_scene05/p008","passage_number":8,"word_count":269,"text":"Durchrieseln heiße Schauer mich; \nUnd wenn du deine liebe Hand \nIn meine Hand willst legen, \nErfüllt mich Seligkeit \nIn allen Gliedern \nJOHANNES: \nDu Spukgestalt, aus Nebeldunst gewoben, \nDu wagst es, hier zu lästern \nDes Herzens reinstes Fühlen : \nO welche Schuld hab' ich auf mich geladen, \nDaß ich erblicken muß \nEin lüstern Zerrbild meiner Liebe, \nDie mir so heilig ist \nDER DOPPELGÄNGER: \nIch habe deinen Worten oft gelauscht -; \nIch schien in meine Seele sie zu saugen \nAls Kunde aus dem Geisterland. -\nDoch mehr als alle Offenbarung \nEmpfand ich liebend deine Nähe. \nUnd wenn du sprachst von Seelenwegen, \nErfüllte mich die Seligkeit, \nDie stürmisch wogt im Blute \nDIE STIMME DES GEWISSENS: \nSo spricht verschwiegene, \nDoch nicht vertriebene, \nVom Schein gemiedene \nIm Blut gebliebene \nGeheime Kraft \nDer Leidenschaft. \nDER DOPPELGÄNGER (mit etwas andrer Stimme): \nIch darf dich nicht verlassen; \nDu wirst mich oft an deiner Seite finden; \nIch weiche nicht von dir, \nBis du die Kraft gefunden, \nDie mich zum Gleichnis macht \nDes Wesens, das du werden sollst. \nNoch bist du's nicht in dieser Zeit. \nNur in dem Wahne deiner Eigenheit \nErblickst du es in dir. \n(Es erscheinen Lucifer und Ahriman.) \nLUCIFER: \nO Mensch, besiege dich, \nO Mensch, erlöse mich. \nDu hast mich überwunden \nIn deinen Seelenhöhen; \nIch bleibe dir verbunden \nIn deinen Wesenstiefen. \nDu wirst mich immer finden \nAuf deinen Lebenswegen, \nWillst du dich unterwinden, \nDich ganz vor mir zu schützen. \nO Mensch, besiege dich, \nO Mensch, erlöse mich. \nAHRIMAN: \nO Mensch, erkühne dich, \nO Mensch, erlebe mich. \nDu konntest dir erwerben \nDas Geistersehen; \nIch mußte dir verderben \nDas Herzensleben; \nDu sollst noch oft erleiden \nDie stärkste Seelenpein,"},{"locus":"GA 14/ga014-2_scene05/p009","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/14/ga014-2_scene05/p009","passage_number":9,"word_count":291,"text":"Willst du dich nicht bescheiden \nAn meine Kräfte halten. \nO Mensch, erkühne dich, \nO Mensch, erlebe mich. \n(Lucifer und Ahriman verschwinden, desgleichen der Doppelgänger. - Johannes geht in tiefem Sinnen in das Dunkel \ndes Waldes.) \n(Capesius erscheint wieder. Er hat hinter dem Gesträuch die \nSzene zwischen Johannes und dem Doppelgänger wie in \neiner Vision mitgemacht.) \nCAPESIUS: \nWie war mir eben? Wie ein schwerer Alp \nBelastet's mich. Thomasius kam des Weges; \nEr schien in tiefes Sinnen mir versunken. \nEr blieb dann stehen, wie mit jemand sprechend, \nUnd doch war niemand außer ihm am Orte. \nIch fühlte, wie wenn schwere Angst mich drückte; \nIch sah nicht mehr, was dann um mich geschah. \nWie schlafend, unbewußt muß ich doch wohl \nIn jene Bilderwelt versunken sein, \nAuf die ich mich ganz gut besinnen kann. \nEs muß nur kurze Zeit gewesen sein, \nDaß ich so träumend selbstverloren saß. \nUnd doch, wie reich war jene Traumes weit, \nUnd wie befremdend scheint sie mir zu sein. \nIch konnte Menschen aus vergangnen Tagen \nGanz deutlich sehen und auch sprechen hören. \nVon einem Geistesbunde träumte ich, \nDer nach der Menschheit Höhen zielvoll strebte. \nMich selbst erkannt' ich klar in ihrer Mitte. \nUnd fühlen mußt' ich mich vertraut mit allem. \nEin Traum nur -, doch erschütternd war der \nIch weiß, daß ich gewiß in diesem Leben [Traum. \nDergleichen niemals kann erfahren haben. \nUnd was mir als Empfindung ist geblieben, \nErfüllt die Seele wie das volle Leben. \nMich zieht es urgewaltig nach den Bildern —: \nO, könnte ich den Traum doch wieder schauen. \n(Vorhang, während Capesius stehenbleibt.) \nDas Folgende stellt Bilder von Vorgängen aus dem ersten Drittel \ndes vierzehnten Jahrhunderts dar. Der Fortgang wird zeigen, \ndaß in ihnen die Rückschau von Capesius, Thomasius und \nMaria in ihr früheres Erdenleben zu sehen ist."}]}