{"corpus":"steiner","locus":"GA 14/ga014-2_scene05/p004","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Seit vielen Jahren muß ich euch bewundern. \nDoch war auch mir bis jetzt der Sinn verschlossen, \nDer euren sonderbaren Worten eigen ist. \nFELIX BÄLDE: \nEr wird sich euch gewiß erschließen. \nIhr strebt mit gutem Geist und edlem Herzen; \nDa müssen auch die Zeiten kommen, \nWo ihr der Wahrheit Stimme hört. \nIhr achtet nicht, wie inhaltreich \nDer Mensch als Bild der Weltenreiche ist. \nSein Haupt, es ist des Himmels Spiegelbild; \nDurch seine Glieder wirken Sphärengeister; \nIn seiner Brust bewegen Erdenwesen sich; \nUnd allen stehn entgegen, machtvoll ringend, \nDämonen aus dem Mondbereich, \nDie jener Wesen Ziele kreuzen müssen. \nWas als ein Menschenwesen vor uns steht, \nWas als die Seele wir erleben, \nWas als der Geist uns leuchtet: \nEs schwebte vielen Göttern vor seit Ewigkeiten, \nUnd ihre Absicht war, \nAus allen Welten Kräfte zu verbinden, \nDie im Verein den Menschen bilden. \nCAPESIUS: \nFast ängstlich werde ich bei diesem Wort, \nDas kühn als aller Götter Leistung \nDes Menschen Wesenheit betrachten will. \nFELIX BÄLDE: \nDarum ist höchste Demut jenem nötig, \nDer Geisteswissenschaft erlangen will. \nUnd wer in Hochmut und in Eitelkeit \nSich selbst erkennen will, \nDem öffnen sich die Wissenspforten nicht. \n(Felix Bälde geht ins Haus.) \nCAPESIUS: \nWie schon so oft wird mir auch dieses Mal \nDie liebe Frau Felicia wohl helfen, \nDaß meine Seele sich zum Bilde wende \nUnd, an dem Bild erwärmend, eure Worte \nIn rechter Art zu fassen fähig wird. \nFRAU BÄLDE: \nEs hat der liebe Felix \nMir öfter schon die Worte wiederholt, \nDie er soeben sprach. \nSie lösten aus dem Herzen mir \nEin Bild, von dem ich mir schon immer sagte, \nIch müßt' es euch erzählen. \nCAPESIUS: \nO tut es, liebe Frau —, \nMich dürstet nach Erquickung \nAus eurem Bilderschatze. \nFRAU BÄLDE: \nEs sei . \nEs war einmal ein Knabe, \nDer wuchs als armer Förstersleute einzig Kind \nIn Waldeseinsamkeit heran. -\nEr lernte außer seinen Eltern \nNur wenig Menschen kennen. \nEr war von schwachem Gliederbau: \nDurchscheinend fast war seine Haut. \nMan konnte lang ins Aug' ihm schaun;","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Die Prüfung der Seele — Fünftes Bild","site_heading":null,"date":null,"location":null,"word_count":326,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/14/ga014-2_scene05/p004","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["APC1925"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/14/ga014-2_scene05/p004"},{"lang":"en","edition":"APC1925","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/14/ga014-2_scene05/p004"}]}