{"corpus":"steiner","locus":"GA 14/ga014-2_scene05/p006","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Zum drittenmal verstrichen waren, \nWar längst der Knabe Mann geworden \nUnd von dem Elternhause und dem Waldesgrund \nIn eine fremde Stadt gezogen. \nDa sann er eines Abends, \nVon harter Arbeit müde, \nWas ihm das Leben wohl noch bringen möge. \nEs fühlte sich der Knabe plötzlich \nNach seinem Felsenquell entrückt; \nUnd wieder konnte er die Wasserfrauen schauen \nUnd dieses Mal sie sprechen hören. \nEs sagte ihm die erste: \nGedenke meiner jeder Zeit, \nWenn einsam du dich fühlst im Leben. \nIch lock* des Menschen Seelenblick \nIn Ätherfernen und in Sternenweiten. \nUnd wer mich fühlen will, \nDem reiche ich den Lebenshoffnungstrank \nAus meinem Wunderbecher. -\nUnd auch die zweite sprach: \nVergiß mich nicht in Augenblicken, \nDie deinem Lebensmute drohen. \nIch lenk' des Menschen Herzenstriebe \nIn Seelengründe und auf Geisteshöhn. \nUnd wer die Kräfte sucht bei mir, \nDem schmiede ich die Lebensglaubensstärke \nMit meinem Wunderhammer. -\nDie dritte ließ sich so vernehmen: \nZu mir erheb' dein Geistesauge, \nWenn Lebensrätsel dich bestürmen. \nIch spinne die Gedankenfäden \nIn Lebenslabyrinthen und in Seelentiefen. \nUnd wer zu mir Vertrauen hegt, \nDem wirke ich die Lebensliebesstrahlen \nAuf meinem Wunderwebestuhl. \nEs träumt* in jener Nacht, \nDie dem Erlebnis folgte, \nDem Manne, daß ein wilder Drache \nIn Kreisen um ihn her sich schlich -\nUnd nicht ihm nahen konnte: \nEs schützten ihn vor jenem Drachen \nDie Wesen, die er einst am Felsenquell geschaut \nUnd die aus seiner Heimat \nMit ihm zum fremden Ort gezogen waren. \nCAPESIUS: \nHabt Dank, ihr liebe Frau, \nIch gehe reichbeschenkt von euch. \n(Steht auf und geht. Frau Bälde geht ins Haus.) \n(Capesius allein in einiger Entfernung, das Folgende sprechend.) \nCAPESIUS: \nIch fühle, wie gesundend solch ein Bild \nIn meiner Seele wirkt, und allem Denken \nVerlorne Kräfte wiedergeben kann. \nEs war so einfach, was die Frau erzählte, \nUnd doch erregt es mir Gedankenkräfte, \nDie mich in unbekannte Welten tragen. — \nIch will in dieser schönen Einsamkeit \nDem Träumen mich ergeben, das so oft \nGedanken meiner Seele schenken wollte, \nDie wohl weit besser sich erwiesen haben \nAls manche Früchte wochenlangen Grübelns. \n(Er verschwindet hinter einem dichten Gesträuch.)","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Die Prüfung der Seele — Fünftes Bild","site_heading":null,"date":null,"location":null,"word_count":338,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/14/ga014-2_scene05/p006","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["APC1925"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/14/ga014-2_scene05/p006"},{"lang":"en","edition":"APC1925","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/14/ga014-2_scene05/p006"}]}